KOPSWERK II

das neue 
Projekt der Vorarlberger Illwerke-AG
(Bericht von Stephan Andreatta)

.

Die Vorarlberger Illwerke AG planen ihr größtes Pumpspeicherkraftwerk in Gaschurn-Partenen. Dieses Kraftwerk wird auf die geänderten Bedürfnisse im liberalisierten Strommarkt hin optimiert. Die Strommarkt-Liberalisierung, also die Möglichkeit für alle Kunden ihren Strom nahezu bei jedem Elektrizitätsunternehmen zu beziehen, veränderte die „Stromlandschaft“ in Mitteleuropa doch beträchtlich. So ist es heute für die Energieversorger nicht mehr in der gewohnten Präzision möglich, Prognosen für die kommenden Tage zu erstellen. Dazu kommt, dass insbesondere in Deutschland, der Ausbau der Windenergie stark zugenommen hat und weiter zunehmen wird. Windkraftwerke sind naturgemäß abhängig vom Wind. Eine Planung dieser Energie ist daher nicht möglich. Die Netzbetreiber sind jedoch aufgrund der Ökostromgesetzgebung verpflichtet, die Windenergie jederzeit abzunehmen. Dies bedeutet, dass durch die Windkraftwerke große Schwankungen im Netz auftreten können, die einen erhöhten Regelbedarf erfordern. Um die gewohnte Qualität der elektrischen Versorgung sicher zu stellen, wird daher mehr Spitzen- und Regelenergie benötigt, als noch vor der Liberalisierung. Die Illwerke sind seit der Inbetriebnahme des Vermuntwerkes im Jahr 1930 auf die Bereitstellung von Spitzen- und Regelenergie spezialisiert. Mit dem Kopswerk II reagieren die Illwerke auf die geänderten Marktverhältnisse und festigen damit ihre Stellung als verlässlicher Spitzen- und Regelenergielieferant


Das innovative Konzept

Das Kopswerk II wird ein Pumpspeicherkraftwerk. Das künftig größte und optisch nicht in Erscheinung tretende Kraftwerk der Illwerke nutzt den bereits vorhandenen Kopssee als Oberwasserbecken und das Ausgleichsbecken Rifa in Gaschurn als Unterwasserbecken. Das Krafthaus wird in Gaschurn – Partenen entstehen (siehe Foto). Die neuen Anlagenteile des Kopswerkes II, wie Druckstollen, Wasserschloss, Druckschacht, Maschinen- und Transformatorenkaverne, liegen im Berginneren und erfordern keine nachteiligen Eingriffe in die Natur. Der Energieabtransport erfolgt über eine bestehende Hochspannungsleitung. Vom fertig gestellten Kopswerk II werden nur die SF6-Schaltanlage beim Rifawerk, sowie eine Zufahrt und ein Tor im Berghang gegenüber dem Rifabecken in Gaschurn sichtbar sein. Kops II wird das leistungsstärkste Kraftwerk der Illwerke sein. Nach der Inbetriebnahme des Kopswerkes II wird die jährliche Turbinenleistung der Kraftwerksgruppe Obere Ill – Lünersee und des Walgauwerkes von 1248 auf rund 1700 Megawatt erhöht. Die Aufnahmeleistung im Pumpbetrieb steigt von 533 auf 983 Megawatt. Mit dem Kopswerk II wird die Kapazität der Illwerke im Pumpbetrieb um 85 Prozent und im Turbinenbetrieb um 36 Prozent erhöht. Drei hochflexible, rasch regelbare Maschinensätze mit je 150 MW Leistung ermöglichen den jeweils erforderlichen Turbinen- oder Pumpbetrieb. Die Pumpspeichermöglichkeit im Inneren Montafon optimiert auch den Einsatz des Vermuntwerkes, des Obervermuntwerkes und des Kopswerkes I.

Wann wird gebaut?

Im März 2003 fassten der Aufsichtsrat der Vorarlberger Illwerke AG, die EnBW und der Eigentümer Land Vorarlberg den Grundsatzbeschluss für den Bau des Kopswerkes II. Am 1. September 2003 wurde um die Bewilligung des Kopswerkes II nach dem UVP-Gesetz (Umweltverträglichkeitsprüfungsgesetz 2000) angesucht. Vom 11. November 2003 bis zum 23. Dezember 2003 wurden der Genehmigungsantrag, die Projektunterlagen und die Umweltverträglichkeitserklärung zur öffentlichen Einsicht aufgelegt. Derzeit werden im Rahmen des Ermittlungsverfahrens die Gutachten der mitwirkenden Sachverständigen und das Umweltverträglichkeitsgutachten erstellt. Im Rahmen des UVP-Verfahrens soll die mündliche Verhandlung voraussichtlich Ende März/Anfang April stattfinden. Parallel läuft die Planung für die Ausschreibung sowie die Ausschreibung der wichtigsten baulichen, maschinenbaulichen und elektrotechnischen Anlageteile. Das Projekt „Kopswerk II“ ist somit im Zeitplan. Die Illwerke rechnen damit, dass der Baubeginn, nach Abschluss der Bewilligungsverfahren, im September 2004 erfolgen kann. Die Inbetriebnahme des Kraftwerkes ist für 2007/2008 geplant.

Ist Galtür betroffen?

Die Bautätigkeiten für die gesamte Kraftwerksanlage beschränken sich auf den Bereich Kops auf rund 1.800 m, Tafamunt auf rund 1.600 m Seehöhe und Raum Rifa im Tal, etwa zwei Kilometer abseits der Dorfkerne von Gaschurn und Partenen. Der enge Bauzeitplan sieht vor, dass nicht nur Tag und Nacht, sondern auch 12 Monate im Jahr – also auch im Winter – gebaut werden muss. Dies bedeutet, dass insbesondere für die Herstellung des Druckstollens, der von Kops aus Richtung Tafamunt aufgefahren wird, Materialien wie Betonfertigteile und andere Baustoffe auf dem Parkplatz des Kopssees vorgelagert werden müssen. Insbesondere im Spätherbst, und wenn es die Lawinensituation zulässt auch im Winter, kann dies nur über das Paznauntal und damit über Galtür erfolgen. In diesem Zusammenhang wird die Wirlerstraße benötigt, die hierfür etwas adaptiert werden muss. Weiters wird im Raume Galtür – Wirl ein Umschlagplatz benötigt, um verschiedenste Materialien von großen auf kleinere Fahrzeuge umzuladen. Selbstverständlich werden all diese Maßnahmen nur im Einvernehmen mit der Gemeinde und den betroffenen Grundeigentümern realisiert. Die Illwerke sind bemüht, die Belastungen für die Bevölkerung von Gaschurn - Partenen und Galtür während der Bauzeit so gering wie möglich zu halten. So wird zum Beispiel das gesamte Ausbruchsmaterial des Druckstollens im Bereich Kops dauerhaft deponiert und nicht abtransportiert. Unvermeidbar wird jedoch ein zeitweise vermehrtes Aufkommen von LKW-Fahrten sein, wofür Sie die Vorarlberger Illwerke AG bereits heute um Verständnis bittet.

Stephan Andreatta (VIW-AG)