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Vor 50 Jahren, zu Pfingsten anno 1954, wurde die Silvretta-Hochalpenstraße für den öffentlichen Verkehr freigegeben. Seitdem haben Millionen Besucher die eindrucksvolle Alpenstraße zwischen Galtür und Partenen befahren und bestaunt. Über ihre Funktion als Höhenroute für Ausflügler und Touristen hinaus wurde die Straße aber auch zur Laufstrecke des Trans-Vorarlberg Triathlons und zur bekannt-spektakulären Herausforderung der Silvretta-Classic-Ralley.

Zu einer Berühmtheit wurde die Silvretta-Hochalpenstraße aufgrund ihrer kühnen „Architektur“. Wie eine Schlange windet sie sich von Partenen über die Bielerhöhe auf 2030 m Seehöhe nach Galtür. Elegant, verwegen und aufregend, wie sie Kehre um Kehre immer neue phantastische Ausblicke auf die Bergwelt der Silvretta erschließt. Diese Herausforderung wollen sich auch die Oldtimer der Silvretta-Classic, der mittlerweile berühmten Rallye nicht entgehen lassen. Ebenso wenig, wie fast eine halbe Million Besucher jährlich. Die Silvretta-Hochalpenstraße ist nur in der warmen Jahreszeit von Anfang Juni bis Ende Oktober geöffnet. Schnee, Steinschlag, Frost und Lawinen sind keine ungewöhnliche Mixtur, unter der die Straße in den Wintermonaten leidet. Schnee- und Felsräumung folgen jedes Frühjahr. Bis zu sechs Wochen benötigen drei Schneefräsen und eine eingespielte Mannschaft, um bis zu 500.000 Kubikmeter Schnee von Straße und Parkflächen zu entfernen. Im Anschluss sind bis zu 18 Mann zur Felsräumung eingesetzt, um die steilen Felsflanken oberhalb der Straße von losen Gesteinsbrocken und Geröll zu befreien. Doch dann, Anfang Juni, ist es wieder so weit: Bikes, Motorräder, Autos und Busse erobern die topgepflegte Silvretta-Hochalpenstraße.
Etappenweise
Konkrete Ausbaupläne für die Strecke von Partenen nach Galtür entwickelte man bereits im 19. Jahrhundert. Verbindungen bestanden schon seit dem Mittelalter. Bereits in früher Zeit führten viel benutzte Verkehrswege durch das Illtal, die zusammen mit den Saumpfaden im Gebirge und den Übergängen Zeinisjoch und Vermuntpass Handelsverbindungen nach Tirol, Graubünden und auch nach Oberitalien ermöglichten. Schließlich war es die Erschließung der Wasserkraft zur Stromerzeugung, die das Werk begründete: Beim Ausbau der Kraftwerksstufe Silvrettasee/Obervermuntwerk ab 1938 entstand das Straßenfundament zwischen Vermunt und Bielerhöhe, das schon bestehende Transportsysteme aus früherer Bautätigkeit, wie Schrägaufzug, Höhenbahn und Feldbahn verband. Doch die nächste Ausbaustufe der Illwerke in der Silvretta machte weit mehr erforderlich. Zur Überleitung von Tiroler Bächen mussten schwere Baumaschinen und vor allem große Rohrelemente nach Ischgl und Galtür gelangen. So wurde der uralte Viehtrieb von Galtür durch das Kleinvermunt zur Bielerhöhe zu einer 3 Meter breiten Baustraße ausgebaut. Zusätzlich bedurfte es einer Werkstraße von der Bielerhöhe hinunter nach Wirl und von dort hinauf zum Zeinisjoch, wofür eine Schotterstraße – das spätere Fundament für die Tiroler Ostrampe der Silvretta-Hochalpenstraße – angelegt wurde. Schließlich fehlten nur mehr sieben, allerdings halsbrecherische Kilometer zwischen Partenen/Loch (Mautstelle) und Vermunt-Staumauer. Das Know-how der innovativen Straßenbauer nahm auch diese letzte Hürde, und nach nur sieben Monaten war das schwierigste und technisch eindrucksvollste Teilstück der Silvretta-Hochalpenstraße fertig.
Einspurige Premiere
Die im Zuge der Kraftwerksbautätigkeiten in Etappen erbaute Silvretta-Hochalpenstraße präsentierte sich bei ihrer offiziellen Eröffnung 1954 noch als einspurige Fahrbahn mit Ausweichen. Dennoch, oder vielleicht gerade deswegen, übte die
22,3 km lange Mautstrecke mit 34 Kehren eine magische Anziehungskraft auf Besucher aus Nah und Fern aus. Auch die damaligen Busse scheuten keine Fahrt von Partenen zum Scheitelpunkt Bielerhöhe und weiter nach Galtür. In den 60er Jahren hatte dann wieder das Kraftwerks-Business Vorrang: Für den Bau der Staumauer Kops war ein zweispuriger Ausbau der Alpenstraße notwendig, der später auch dem Tourismus wieder verstärkten Auftrieb gab. Der touristische Erfolg stellte sich ab 1955 ein: Damals rollten 36.000 Fahrzeuge über die Silvretta-Hochalpenstraße, im Wirtschaftswunderjahr 1968 waren es 100.000 und 1990 erstmals mehr als 150.000 Fahrzeuge. So kann die Silvretta-Hochalpenstraße auf etwa eine halbe Million Besucher jährlich verweisen und rangiert mit der phantastischen Bergwelt rund um Bielerhöhe, Silvrettasee und freundliche Gastronomie unter den zehn meistbesuchten österreichischen Sehenswürdigkeiten.
Stephan Andreatta (VIW-AG).
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