WAS WAR 
VOR 50 JAHREN?

Ein Auszug aus der Chronik 
von Erich Lorenz

Auszug aus der Chronik 
von Erich Lorenz (1954)

Eine große Überraschung gab es in Galtür anfangs Februar. Erwin Walter von der Au hat aus Finnland 10 Renntiere eingeführt, 4 Kühe, 2 Stiere und 4 Ochsen. Diese Tiere sollten als Zugtiere auf die Hütten verwendet werden. Reporter und Filmleute waren zum Empfang dieser Tiere gekommen und alle Zeitungen berichteten über die Einwanderer aus dem hohen Norden. Jedenfalls wurde unser Ort bekannt und war eine großartige Propaganda. Für den geplanten Zweck haben diese Tiere nicht richtig entsprochen. 3 Junge kamen hier zur Welt, aber nach einigen Jahren gingen diese Tiere alle ein. Der Besitzer hatte diese Tiere in einem Gehege und fast alle Fahrer der Autos schauten sich diese Tiere an, dadurch war eine Geldeinnahme notwendig, sodass Walter ohne Verlust davon kam. Auch die holländische Königsfamilie fuhr mit diesen Tieren zur Jamhütte. 


Im Frühjahr begannen die Baufirmen mit den Aufräumungen der Baustellen. Mit dem Straßenbau von der Seeber Brücke bis Ulmich hatte man begonnen. Das Tal hat dies Bundeskanzler Raab, der Galtür im Sommer schon zweimal einen Besuch abgestattet hatte, zu danken. Auch Bgm. Ehrenreich Greuter von Landeck hat dazu beigetragen und den Kanzler ins Tal begleitet, damit dieser mit den Verhältnissen vertraut wurde. 
Am 26 Juni wurde die Silvrettastraße für den Verkehr freigegeben. Ein Massenverkehr setzte ein, den die Talstraße fast nicht schlucken konnte.

Durch die Eröffnung dieser Straße hat Galtür und das Tal, sowie das benachbarte Montafon für den Sommerverkehr viel gewonnen. 

Orgelbauer Schöffer von Bregenz hat in der Kirche die Orgel hergerichtet. Und die seit dem ersten Weltkrieg fehlenden Pfeifen, durch neue Zinn und Zungenpfeifen ersetzt. Für den Blasbalg ist ein elektrisches Gebläse eingebaut worden.

Auf der Bielerhöhe haben die Illwerke mit dem Bau des Hotels begonnen und Gallus Niedermeier baut den Gasthof „Piz Buin“. Im Herbst war in Galtür wieder mehr Ruhe eingekehrt, denn man sah nur mehr einzelne Arbeitstrupps der Firmen. Zu Weihnachten kamen viele Urlauber aus allen westlichen Ländern.