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Galtür ist die waldärmste Gemeinde im Bezirk Landeck. Nur 3% der Gemeindefläche, das sind ca. 420 ha, sind Wald. Der größte Teil davon ist Schutzwald, wobei jenen Wäldern vom Stafelistal bis einschließlich Gorfenwald erhöhte Bedeutung zukommt. Diese Wälder werden nach der neuen Schutzwaldklassifizierung als Objektschutzwälder bezeichnet. Wie schon der Name sagt, schützen diese Wälder unterliegende Objekte, wie zum Beispiel: Häuser, Straßen ... vor Lawinen, Steinschlag, Muren und ähnlichen Gefahren. Wie jeder in Galtür weiß, brechen die meisten Lawinen weit oberhalb der Waldgrenze ab und daher können, die genannten Waldteile solche Lawinen nicht aufhalten. Sehr wohl aber verhindern diese Wälder, dass in diesen Bereichen Lawinen entstehen können. Damit diese Wälder ihre Objektschutzfunktion dauerhaft gewährleisten können ist eine rechtzeitige Waldverjüngung unbedingt notwendig. Am besten wird die Objektschutzfunktion von naturnah aufgebauten Wäldern erfüllt. Das ist in Galtür der „Inneralpine -Fichtenwald“ mit einem gewissen Anteil Mischbaumarten, wie Lärche, Zirbe und Vogelbeere.
Der Wald wurde seit Generationen von den Galtürern geprägt. Sei es durch intensive Viehweide, Ziegenweide, Rodungen aber auch Nutzungen. Dies hat im wesentlichen zur Waldverarmung geführt. Daraus resultierende Kata-strophen (Lawinen...) hatten Holznutzungseinschränkungen und als letztes das Verbot der Ziegenweide zur Folge.
Durch die Nutzungseinschränkung hat man sich erhöhten Schutz für die Siedlungen erwartet. Nutzt man jedoch weniger, als jährlich im Wald dazu wächst, veraltert der Wald. Jeder weiß heute, dass Wälder, die sich nicht verjüngen, die Objektschutzfunktion auf Dauer nicht erfüllen können. Aus diesem Grund wurde im Jahre 1989 von der Bezirksforstinspektion Landeck in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Galtür ein Schutzwaldsanierungsprojekt erarbeitet. Ziel dieses Projektes ist im wesentlichen die Verjüngung der genannten Objektschutzwälder und damit die Gewährleistung der Schutzfunktion auf Dauer. Eine Waldverjüngung kann nur dann erfolgreich sein, wenn neben anderen vor allem zwei wesentliche Rahmenbedingungen stimmen. Dazu gehören zum einen ein gut ausgebautes Waldwegenetz, weil dadurch eine kostengünstige Bewirtschaftung ermöglicht wird und gleichzeitig die Verjüngung kleinflächig und damit möglichst naturnah erfolgen kann. Als zweites braucht es einen dem Wald angepassten Wildbestand, der das Aufkommen der Verjüngung ermöglicht. Die Jägerschaft von Galtür bemüht sich derzeit den Wildstand soweit zu vermindern, dass dies in Zukunft möglich ist. Im Rahmen dieses Projektes werden alle Maßnahmen, die für die Waldverjüngung notwendig sind, mit öffentlichen Mitteln gefördert. Das sind zum Beispiel die Holzernte (alte Bäume raus - junger Wald rein), die Aufforstung, vor allem mit den Mischbaumarten Lärche und Zirbe sowie die Pflege des Jungwaldes.
Was ist bisher geschehen?
Es wurden im Gorfen- Böscha- und Ronawald bereits in den letzten Jahren ca. 900 fm Holz geschlagen. Außerdem wurden in den letzten zehn Jahren ca. 35.000 Pflanzen im gesamten Projektsgebiet aufgeforstet. Dabei hat es auch Rückschläge gegeben, wie z.B.: auf der Mutta, dort wurden 8.000 Pflanzen aufgeforstet, und heute sind fast keine Pflanzen mehr vorhanden. Neben dem Witterungseinfluss und dem kargen Boden hat der Wildverbiss auch eine entscheidende Rolle gespielt.
Was soll in den nächsten Jahren geschehen?
Das nächste Ziel ist die weitere Einleitung der Verjüngung in den Wäldern oberhalb von Tschafein bis zum Gorfenwald. Dies ist besonders schwierig, da diese Wälder sehr gleichförmig sind. Mit der Verjüngungseinleitung (d.h. Schlägerung von alten Bäumen) soll die bestehende kollektive Stabilität dieser Bestände möglichst wenig beeinträchtigt werden. Eine erfolgreiche Waldverjüngung, das ist der Zeitraum von der Schlägerung bis der Jungwald die Schutzfunktion wieder erfüllen kann, dauert in dieser Höhenlage ca. 30 bis 50 Jahre. Dieser Zeitrahmen hängt ganz entscheidend von den Witterungsbedingungen (trockene Sommer lassen die ankommende Verjüngung absterben) und der Höhe des Wildbestandes ab, für den die Verjüngung natürliche Äsung ist.
Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass das Ziel, ein dauerhafter Objektschutz durch den Wald, noch lange nicht erreicht ist. Die Einleitung der Verjüngung bei gleichzeitiger Beachtung, ob sich die Waldverjüngung auch im gewünschten und notwendigen Ausmaß einstellt, hat höchste Priorität. Leider ist das Interesse der Bevölkerung am Wald im allgemeinen in den letzten Jahren stark gesunken, doch Gemeinden wie Galtür wissen sehr wohl, welche Bedeutung dem Wald als Schutz vor Gefahren zukommt. Seit einigen Jahren besuchen die Studenten der Universität für Bodenkultur, Studienrichtung Forstwirtschaft, mit ihrem Professor Dr. Josef Spörk die Gemeinde Galtür, um die Grundlagen der Gebirgsforstwirtschaft zu erlernen. Letztes Jahr wurde dann auf Anregung von Professor Spörk von der Gemeinde gemeinsam mit der BFI – Landeck ein Waldtag für die Galtürer organisiert. Professor Spörk ist es mit einfachen Worten gelungen den eher wenigen aber dafür sehr interessierten Teilnehmern die Bedeutung des Galtürer Waldes näher zu bringen. Aufgrund des Interesses wollen wir wieder mit der Gemeinde einen Waldtag organisieren und hoffen bereits jetzt auf eine rege Teilnahme.
Dipl.-Ing. Peter Hauser (Bezirksforstinspektion Landeck) |
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