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Glanz und
Not in der Geschichte Galtürs
Ich hätte das Thema
umkehren sollen und es „Not und Glanz in der Geschichte Galtürs“
nennen müssen, denn von den ungefähr 1000 Jahren Geschichte, sind
mindestens 900 von Not, Elend, Lawinen und Hochwasser geprägt. Erst in
diesem Jahrhundert beginnt sich mit dem aufkommen des Fremdenverkehrs so
etwas wie Wohlstand breit zu machen.
1000 Jahre sind ein
riesiges Thema. Ich werde daher einmal die nüchternen Daten im
Raketentempo durcheilen, um danach einige Folgerungen daraus zu ziehen.
Geschichte hat ja nur dann einen Sinn, wenn sie uns etwas zu sagen hat;
„Nur, wer weiß woher er kommt, weiß wohin er geht“.
Ca. 900
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vor Christus wird
die erste Besiedlung stattgefunden haben. Es ist darüber nichts
Schriftliches bekannt, es waren aber die Rätoromanen die über die
Jöcher und Pässe der Silvretta in den Talboden gekommen sind und
dort die ersten Dauerbesiedlungen gegründet haben.
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1040
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wird im Engadin die
Burg Tarasp gebaut und 1146 hören wir zum erstenmal etwas von Galtür,
als die Grafen von Tarasp, Galtürer und Fimber-Wiesen an Marienberg
schenken. An Marienberg, Tarasp an Nauders, Wiesberg, und sogar an
die Schrofensteiner wird Galtür im Laufe der Jahrhundert Zins- und
lehenspflichtig.
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1280
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lesen wir erstmalig
den Namen Paznaun “Niederhoven im Pazenowe“, das ist der Weiler
Niederhof bei Kappl.Dann kommt das vielleicht wichtigste Datum für
Galtür.
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1320
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zweite und
entscheidende Besiedlung durch die Walser, die über das Zeinisjoch
gekommen sind.
Und gleich beginnt
es mit Not und Tod; 1347 – 1350, unter der Herrschaft in Tirol von
Margharete Maultasch, herrscht die Pest in Galtür. Der Chronist,
kein geringerer als der Abt Gaswin von Marienberg schreibt als
Chronist: „Das ist eine furchtbare Krankheit, die aus Genua
eingeschleppt wurde. Kaum 1/6 der Bevölkerung von Galtür überlebt.“
Fromm wie die Galtürer
immer waren blieben die Religion stets die dominierende Kraft in der
Geschichte und so begann man schon 1359 mit dem Bau einer kleinen
Kirche.
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1360
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wurde das
Gnadenbild von Galtür gefunden, seine Geschichte ist ja bekannt, es
wurde in den Inn geworfen, irgendwo in seinem oberen Teil und kam
dann nach seiner Auffindung nach Galtür.
Größter
Glanzpunkt ist die Vollendung und Einweihung der Kirche durch
Bischof Johannes II. von Chur.
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Am 24.06.
1383
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war dieses
festliche Ereignis. Mit der Kirche wurde auch der neue Friedhof
geweiht,- und dies gleich richtig mit dem Begräbnis von drei jungen
Männern, die den Chroniken nach, entweder durch Bären oder durch
eine Lawine ums Leben kamen. Ich glaube eher an die Lawine, wenn
auch die Jahreszeit nicht ganz passt.
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1406
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waren die
Appenzeller – Kriege. Was diese Kriege damals eigentlich bedeutet
haben, ist mir völlig unklar. Ich weiß dass ich das Appenzell
gegen seine Herren im Klosters St. Gallen erhoben hat, warum aber
die Appenzeller dann Galtür und Landeck verwüstet haben, sie kamen
sogar bis Imst – ist mir nicht bekannt, dazu bin ich geschichtlich
zu wenig kompetent. 1408 ermahnt dann König Ruprecht von der Pfalz
„alle Walliser uf Culture nebst Landlüte in
Pazenun“ endlich
Frieden zu halten, obwohl die Paznauner nicht gerade die
Friedensbrecher waren.
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1441
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soll die Evangeli
Glocke, die jetzige Sterbeglocke gegossen worden sein.
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1453
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ist wieder ein
wichtiges Datum und ein Höhepunkt in der Geschichte. Ischgl und
Galtür erhalten die
kleine Gerichtsbarkeit, was bedeutete dass die kleineren Delikte von
den Ortsrichtern geahndet werden konnten. Nur die schweren die „Malefizfälle“
mussten nach wie vor nach Nauders geschickt werden.
Im gleichen Jahr hören wir erstmals aus den Chroniken über große
Rodungen des Waldes.
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1460
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darf Ischgl und
Galtür zollfrei, eigenes Vieh an die vier Herrschaften jenseits des
Arlbergs ausführen, aber nur eigenes Vieh, um mit dem Erlös
Getreide einzukaufen. Diese Erlaubnis muss später zurückgenommen
werden, weil die Paznauner Vieh aufgekauft haben, um es als eigenes
zu exportieren; geschäftstüchtig waren sie ja schon immer. Herzog
Sigismund von Österreich bestätigt
die bereits erwähnte freie Gerichtsbarkeit mit einem Richter
und sieben Schöffen.“ Malefizsachen kommen nach Nauders, wo
sieben Richter mit ebenso vielen Schöffen tätig sind.
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1483
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weiht der Bischof
die Kirche neuerlich nach einer Vergrößerung ein, die 1480
begonnen wurde. Galtür hat nach einer Aufzeichnung von 1427 bereits
49 Feuerstätten mit 71 Haushalten. Daraus sieht man dass in einem
Haus, wie es früher im Paznaun allgemein Brauch war, mehrere
Familien wohnten.
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1494
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wird Nikolaus Ilg
als erster Pfarrer namentlich erwähnt. Dann beginnt schon wieder
die Not.
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1499
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bricht ein
grausamer Bündnerkrieg aus, den die Nachbarn mit Österreich führen.
Mit diesem wollen sie endgültig los von Österreich.
An der Calven haben
sich die Engadiner die Freiheit gegen Kaiser Maximilian erkämpft.
Trotzdem rächen sich die Engadiner und die Graubündner an den Galtürern
die sich auf die „Mutte“, dem Bereich der heutigen
Friedrichshafnerhütte zurückziehen müssen. Die Galtürer haben
sich dort tapfer geschlagen. Seither gibt es im Bereich der Mutte
die Ortsbezeichnungen „Hochstreit“ – „Kriegsgarta“ und
Vereineres Tal. „Bei diesem Rückzug der Galtürer wurde der
Richter Geiger von den Engadinern gefangen genommen.
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1500
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hört man erstmals
von den bis heute bekannten starken Leuten, wie
„Christli –
Kuhhaut“. Die Kirche erklärte den Ablassbrief mit großen
Privilegien für
die Wallfahrt. Dieser Brief ist immerhin von 12
Kardinälen
unterzeichnet und begründet den Ruf, den Galtür damals als gut
besuchter Wallfahrtsort hatte.
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1505
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Ischgl erhält 1505
das Mautrecht im Fimbertal für den Handel über den Fimberpass und
Galtür wird es um etwa die selbe
Zeit für den
Transport der Güter über Futschöl – und Klosterpass bekommen
haben.
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1535
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ist ein ganz
wichtiges Datum: Das Engadin wird kalvinistisch und damit für die
katholisch gebliebene Pfarre Galtür nicht mehr tragbar.
Ein großer Galtürer ! : Georg Feuerstein wird 1550 Abt des
Klosters St. Luzi in Chur.
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1565
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schenkt Jakob
Unteretscher , genannt der „Etscher“ der Pfarre Galtür das
„Gut am Gampele“ für den Messner. Ihr seht also, wie alt solche
gewohnten Sachen sind. Nur wenig früher 1560 kommt die
Schnapfenalpe an die Göfner, angeblich nach einer „schweren
Krankheit“.
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1565
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wird Galtür endgültig
von der Pfarre Ardez losgetrennt und dem Vikariat Montafon/Chur
zugeteilt.
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1583
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verschüttet eine
Lawine die „Stana“, aus der diesmal alle gerettet werden
konnten. Normalerweise hören wir in der Chronik nur von Lawinen ,
die Menschenleben gekostet haben. Solche die nur Gebäude, Stall und
Stadel beschädigt haben, sind eigentlich gar nicht erwähnenswert.
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Am 03.10.1599
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hören wir von dem
berühmten Almabtrieb der Engadiner, über den ich später noch
berichten werde.
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1600
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fällt
die Alpe Vermunt wider ganz in die Hände der Steinsberger.
Die Geschichte Galtürs ist eng mit der Geschichte von Vermunt
verbunden. Diese Alpe hat auch heute noch, sowohl als der Gemeinde
gehörige Alpe, als auch Trägerin der Silvrettastraße größte
Bedeutung.
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1610
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wird die schon erwähnte
Zollstelle für die Hochpässe urkundlich nachweisbar, um dem regen
Verkehr darüber gerecht zu werden. Man muss bedenken, dass damals
die Grenzen noch unklar waren. Erst 1612 wurden diese zwischen Tirol
und Vorarlberg und der Schweiz genau festgelegt. Die Schweiz hat darüber
hinaus noch lange verhandelt., ob man diese Grenze nicht mit der des
„Schweizer – Vermunt“ gleichziehen sollte. Dann würde also
die Schweizer – Grenze über die Bieler Höhe gehen, und vor
Partenen enden.
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1613
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hören wir vom
ersten großen Lawinenunglück auf der „Kinge“, es werden im
Laufe der Geschichte noch etliche folgen; Dabei werden 8 Personen
verschüttet, von denen nur vier gerettet werden können.
Schwerpunkte der Lawinenkatastrophen in der Geschichte sind immer
wieder die Kinge und Tschafein
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1616
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verschüttet eine
Lawine den Stall der „Birche“ und tötet die Frau, die gerade
beim Füttern war.
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1621
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flammt schon wieder
ein Graubündner - Krieg mit dem Haus Österreich auf.
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1622
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nimmt dieser Krieg
für Galtür furchtbare Folgen an: Am 11.07. dieses Jahres kommen
Graubündner über das Zeinisjoch und machen in Galtür bereits
Brandschatzungen.
Am 29.07 ziehen
dann 28 Kompanien kaiserlicher Truppen über Galtür und Ischgl ins
Engadin. Es führt sie ein gewisser Peter Egele.
Dieser Peter Egele,
gut ortsbekannt, zeigt den Truppen den Weg und die Schanzen im
hinteren Fimbertal und im Val Tasna. Diese Schanzen werden umgangen
und die Engadiner entscheidend geschlagen. Dafür rächen sie sich
aber fürchterlich. Am 24.08.1622 rücken sie mit 400 Mann über den
Futschöl und zerstören in Galtür die Kirche und 34 Häuser. Ein fürchterliches
Unglück für das damalige Galtür, das beinahe vollständig
vernichtet wurde.
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1624
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wird die schon erwähnte
Evangeli Glocke von einem Kapuzinerkloster im Pretigau „erworden“,
der Wiederaufbau der Kirche ist in vollem Gang. Ein schwedischer
Soldat schleppt 1630 die Pest ein.
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1618-1648
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wütet ja in ganz
Europa der 30–jährige Krieg und bringt bis in die entlegensten Täler
Not und Unglück. Für die Errettung aus dieser Seuche haben die
Galtürer einen Kreuzgang nach Gaschurn verlobt, die zu jedem Haus
eine Person zu schicken hatte, - sonst mussten 3 Pfund Wachs bezahlt
werden.
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1632
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werden bereits die
ersten Matrikelbücher angelegt, vorerst noch ohne Todesursache bei
Sterbefällen. Das vermerkt bereits damals der Chronist als Fehler.
Bis in die heutige Zeit wurden dann nämlich alle Toten mit den üblichen
Daten und der ärztlichen Diagnose vermerkt. So kann man heute noch
sagen, an was die Leute damals gestorben sind. Heute ist es nun
leider wieder so, dass dem Standesamt, wegen des Datenschutzes, die
Todesursache nicht mehr bekannt ist, sie wird lediglich in einer
Zentrale in Wien registriert.Die Pest im 30-jährigen Krieg wütete
bis ca. 1636, keine Gemeinde blieb angeblich verschont, in Galtür
erkrankten und starben ca. 25 Leute.
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1638
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bestätigt Kaiser
Ferdinand III. in einem „Freiheitsbrief“ die 1460 erworbenen
Rechte, und die Gemeinden erhalten ein Gerichtssiegel.
Mit dem Westfälischen
Frieden geht 1648 der 30-jährige Krieg zu Ende. Bregenz wird von
Schweden besetzt, daher fliehen viele Leute von dort und vom
Montafon auf das Zeinisjoch, sodass die Galtürer auch hinaufmüssen
um zu schauen, dass die Schweden nicht dorthin kommen.
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1658
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wird erstmals eine
Schule erwähnt und 1678 bricht eine große Viehseuche aus und man
beginnt mit dem Bau der Martinskapelle in Tschafein.
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1673
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brennt Ischgl zum
größten Teil ab.
In der Geschichte
der Gemeinde sind die Hochwasser fast noch dramatischer als die
Lawinen.
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Am 17/ 18.7.1678
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überflutet ein
gewaltiges Hochwasser den Weiler Tschafein und zerstört dabei 5 Häuser
vollständig, auch die neuerbaute Martinskappelle wird ein Opfer der
Fluten. Die tapferen Bewohner lassen sich deswegen aber nicht
entmutigen und beginnen 1679 mit dem Neubau des Heiligtums.
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1682/83
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vernichtet eine große
Lawine 3 Häuser auf der „Mais“ und fordert 5 Menschenleben. In
der Chronik werden Lawinenunglücke nur dann als schwer bezeichnet
wenn es Tote gibt, Schäden an Haus Stall und Stadel werden fast als
normal angesehen.
Wir werden später
noch darauf zurückkommen, weil es sehr wichtig
für die Entwicklung ist.
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1683 – 1695
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erwähnt der
Chronist erstmalig, dass viel Holz für die Saline in Hall
geschlagen wurde.
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Am 2.3.1689
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fällt der gesamte
Weiler Piel der „Nördlerlawine“ zum Opfer. Es gibt 11 Tote.
In Tschafein sind
29 Menschen im Keller erstickt und ertrunken. In Klosters soll es am
gleichen Tag 57 Tote gegeben haben.
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1692
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fallen die
Engadiner wieder einmal ein und wüten in Galtür, diesmal aus Rache
für die Taten, die die Österreicher während des 30-jährigen
Kriegs gemacht haben. So mussten die Galtürer wieder einmal für
Etwas büßen, an dem sie gar nicht beteiligt waren.
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1697
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hören wir von
folgenden Namen in Galtür: „Braun, Gspan, Feuerstein, Hais, Yele,
Kathrein, Lechleitner, Lenz, Mattle, Moritz, Nigg, Pfeifer, Salner
und Zurell“.
Es ist interessant
in der Geschichte Galtürs, dass Namen nach etlichen Jahrzehnten völlig
verschwinden und dann viel später wieder aufscheinen.
Wahrscheinlich
wanderten viele aus und später kamen dann Sprossen dieser
Geschlechter und neue Familien wieder ins Dorf.
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1719
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verlahnt die „Weiße
Riefi“ den Ortsteil Hochegg.
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1720
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Die Volkszählung
erfasst 127 Familien mit insgesamt 610 Einwohnern. Die erwähnte
Lawine „Weiße Riefi“ forderte 4 Tote.
Insgesamt hörte man von 73 Toten, in Ischgl wütete die
Madleinlawine, vor allem durch eine Wasserstauung die 48 Stunden
dauerte. Es wurde lang nicht aper.
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1722
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Am 14.3 dieses
Jahres wird der „Dreiwahlige Seelenbund“ durch Pfarrer Josef Dänzel
gegründet. Ein Bund der in Galtür meiner Ansicht nach, nicht nur
kirchlich, sondern auch im weltlichen Zusammenleben viel Segen
gebracht und die Bewohner stark zusammengebunden hat.
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1724
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wird eine Mission
erwähnt. Interessant ist dabei, dass die Patres damals die Leute
anhielten, - die Kinder sollten statt „Tati und Mama“ Vater und
Mutter zu ihren Eltern sagen. Wenn ich heute dazu wieder etwas sagen
könnte, würde ich anregen, wieder „Tati“ statt „Papa“ und
wieder „Nona und Neni“ statt „Oma und Opa“ zu sagen.
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1725/26
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bringen wieder
verheerende Hochwasser.
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1727
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erwähnt eine
Engadiner Chronik, dass die Paznauner (Galtürer) den Ardezern den
Viehdurchtrieb durchs Dorf verweigert haben unter der fälschlichen
Angabe (unter dem fälschlichen Prätext), in Galtür herrsche eine
Viehseuche. Das ist die Zeit, in der die Vergletscherung der früher
aperen Silvrettapässe, vor allem des Vermuntpasses, soweit
fortgeschritten war, dass ein Viehtrieb nur unter schwierigsten
Bedingungen möglich war.
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1730
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ist eine Überquerung
der Pässe im Jam und Vermunt nicht mehr möglich.
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1732
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ist wirklich eine
Viehseuche ausgebrochen und die Leute jammern, denn der Vieherlös
war damals ihre einzige Einnahme. Die Zeiten wurden daher als
furchtbar schlecht bezeichnet.
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1747
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führt Pfarrer
Josef Mattle das 40-stündige Gebet ein. So alt ist dieser religiöse
Brauch schon. Auch wenn manche glauben, dieses Gebet sei nicht mehr
zeitgemäß, so ist es in Wirklichkeit nicht nur ein christliches
Zeichen, sondern ein Symbol der Verbundenheit mit der Geschichte des
Dorfes und mit seinen Nöten und Gefahren, die jederzeit
wiederkommen können. Wir leben und wirken im gleichen Galtür, in
dem unsere Ahnen gelebt haben.
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1754
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lesen wir von einer
„ordentlich Fry Schuel“ in Galtür.
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1759
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kauft man 1/12
Anteil der Scheibenalpe für die Pfarrpfründe.
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1762
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bricht wieder ein
gewaltiges Unwetter über das Paznaun, Montafon und über ganz Tirol
ein und auch 1763 gibt es Hochwasser.
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1769
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hören wir
ausnahmsweise eine Sache von geringerer Bedeutung: Die „tugendbeflossene“
Jungfrau Anna Maria Zangerlin vermacht in ihrem Testament ein
Ciborium (Messkelch) im Wert von 10 Kronen den Kapuzinern in Bludenz
für Messstipendien im Wert von 30 Kreuzern, obwohl ein Stipendium
nur 20 Kreuzer gekostet hat weil, so schreibt sie: „weder
Weltgeistliche noch sonst wie Erben des Nachts aufstehen und für
ihre Guttäter beten!“
Das übrige Vermögen hat sie ihren Verwandten vermacht. Diese
mussten dafür aber jährlich 4 Wallfahrten unternehmen, und zwar
eine nach Einsiedeln, eine nach Wies bei Kauns, eine nach Kronburg
und eine nach Kaltenbrunn.
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1776 – 1783
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wird die
Pfarrkirche barockisiert bzw. dem Rokokostil angepasst. Der Kalk
dazu wurde im Larein gewonnen und gleich dort gebrannt. Dabei sind
der Chronik nach 43 „Menafuhrwerke“ am 28.3 unter eine Lawine
gekommen, ohne dass es jemandem etwas getan habe. Unter „Mena“
versteht man, wenigstens im Untertal, einspännige Fuhrwerke, die
von einem Pferd oder Rind gezogen wurden. den glücklichen Ausgang
der Aktion schrieb man natürlich dem besonderen Segen der Kirche, für
die man ja arbeitete, zu.
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1784
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bauen die Ischgler
einen Arrest und als sie wollten, dass die Galtürer finanziell
mittun sollten sagte der Richter von Galtür: „Wir geben nichts,
sondern wir wollen in den Arrest Leute verschaffen!“
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1792
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beginnt man endlich
mit dem Bau einer 6 Schuh breiten Straße. Nach einem Beschluss
aller Gemeinden. Im Obertal verlief sie ungefähr so, wie heute, im
unteren Drittel von Ischgl und vor allem in Kappl verband die Trasse
die Weiler bis Langesthei und den Glitterberg bis Wiesberg. Es wurde
eigentlich nur ein besserer Karrenweg beschlossen und gebaut.
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1796 -. 1815
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sorgte Napoleon mit
seinen Kriegen für Not und Unglück auch in unserer Heimat.
Fallweise zogen bis zu 21 Landschützenkompanien und 40 Militärkompanien
durch Galtür und Ischgl. „Wer sollte es glauben, dass
dieses enge Tal mit einer so elenden Straße so viele Soldaten
monatelang durchziehen und Quartier nehmen können, wundert sich ein
Chronist.
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1769
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rafften die
Blattern, also die Pocken 11 Kinder dahin.
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1794
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Am 27.10 schreiben
die Engadiner, die mit den Galtürern gute Geschäfte gemacht haben,
in ihrem Stolz: „Die Leute aus diesen wilden Tälern im Norden
haben uns Engadiner viel mehr nötig, als wir sie. Sie bringen uns
Kleinvieh, vor allem Ziegen und beziehen Salz, Getreide, Wein, Reis
und Kastanien in kleinen Mengen, nie mehr als nur einen Sack“.
Nur oben auf der Fenga (Fimberpass) und Zeblas setzte man Lasttiere
ein.“
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1792
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legte man die
beiden Gerichte in Ischgl und Galtür vorübergehend zusammen.
Interessant ist die Meinung des Chronisten, dass diese beiden
Gerichte nicht so sehr wegen der großen Entfernungen, als vielmehr
auf ausdrückliche Wünsche der “homines dicti Walser“ (der
Leute, die Walser genannt wurden) errichtet wurde, denn die Walser
traten immer als ein stolzes Volk auf.
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1794
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entschloss man sich
die Talstraße zu erweitern, dabei führte man die Trasse erstmalig
durch die wilde „G’fällschlucht“ und nicht mehr über
die hochgelegenen Weiler.
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1795
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wurden diese
Arbeiten beendet. Das 19. Jahrhundert beginnt mit einer großen
Epidemie. Die rote Ruhr fordert ihre Opfer; 11 Kinder und 12
Erwachsene sterben an dieser Krankheit. Im gleichen Jahr 1800 erhält
Galtür eine Orgel. Mit der Übernahme von Tirol durch die Bayern
1806, ging auch am Paznaun nichts spürlos vorüber. In Galtür
wurde vorbeugend eine Kompanie aufgestellt, als die Bayern durch das
Montafon zogen. Das Zeinisjoch wurde von 5 Paznauner Kompanien
besetzt, die dort längere Zeit lagerten.
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1809
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am 24.11 entbrannte
die berühmte Schlacht am Gigglertobel, wo der kampferfahrene
Pfarrer Krismer aus See („weil es die Mander scheinbar nicht mehr
„derpackt“ haben“) mit den „Weibern“ ins „G’föll“
gezogen ist und die Franzosen und Bayern verjagt hat. Dies hätte
aber jedoch böse Folgen haben können, weil Andreas Hofer einen Tag
davor bereits Frieden geschlossen hat. Die Kunde davon drang aber
nicht bis ins entlegene Paznaun, sodass es zu dieser kriegerischen
Begegnung kam. Nun wäre diese kriegsrechtlich eine Art
Partisanenkampf gewesen und den Beteiligten drohten härteste
Vergeltungsmaßnahmen, aber durch die Vermittlung des Arztes Dr.
Tschallener und Pfarrer Krismer haben es die Franzosen und Bayern
nicht so tragisch genommen und haben niemanden etwas getan.
Mit großem Jubel
wird im Jahre 1814 die Heimkehr Tirols zu Österreich gefeiert. Doch
die 4 Burschen aus Galtür, die von den Bayern eingezogen waren und
mit Napoleon nach Russland zogen, blieben verschollen und kehrten
nie mehr zurück. Sie wurden von Bayern rekutiert und mussten, weil
diese mit den Franzosen verbündet waren, im Heer Napoleons nach
Russland ziehen. Vor Moskau wurden sie von den Russen und General
Winter vernichtet und geschlagen. Von den 4 Galtürern hat man nie
wieder etwas gehört.
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1816
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wird die Trennung
der Pfarre vom Bistum Chur und die Übernahme durch das von Brixen
endgültig beglaubigt. Wiedereinmal gibt es eine neue Talstraße.
Sie wird 1817 gebaut. Die berüchtete Nederlawine schlägt 1835
wieder furchtbar zu. In Tschafein werden 10 Menschen verschüttet
und sind sofort tot, die Mutter stirbt erst später. Verzweifelt
schreibt der Chronist: „Erdrückt! – Erstickt! – und vom Bache
ersäuft!“ Wenn man dies liest dreht sich einem das Herz um.
Ein Chronist meint,
dass um 1840 noch Romanisch gesprochen worden sei. Das stimmt sicher
nicht, viel eher redete man damals in einer Walserischen Mundart.
Das Revolutionsjahr 1848 betrifft mehr die Gegend um Wien. Trotzdem
geht der Landsturm an die Grenzen. In Galtür wird die „Stana“
verlahnt, doch kommt die Familie, die alle verschüttet werden, mit
dem Leben davon, auch 1853 geht ein Lawinenunglück dort glimpflich
aus.
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1856
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fordert der Thypus
7 Tote.
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1860
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wird auf der Alpe
„Krisp“ im Vermunt der letzte Bär geschossen. Die 500-Jahrfeier
der Auffindung des Gnadenbilds wird 1860 mit aller Pracht begangen.
200 Menschen nehmen daran teil, 17 Priester und die Musikkappelle.
Es war so windstill, dass bei der Prozession bis nach Wirl die
Kerzen der Kinder hin und zurück nicht erlöschten. Das erscheint
mir für Galtür fast unwahrscheinlich. Und nun nähert sich langsam
die Neue Zeit und statt der bisherigen Not gibt es ab jetzt auch öfter
Glanzpunkte. Die Morgenröte des Fremdenverkehrs beginnt sich
anzuzeichnen;
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1861
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Besteigt Weilemann
mit seinem berühmten Bergführer Pöll aus Mathon das Fluchthorn.
Es folgen Erstbesteigungen auf Erstbesteigungen: 1865 der Piz Buin,
1866 der Litzner und 1870 die Dreiländerspitze.
Bei dem dritten
Lawinenunglück auf der Stana 1870 kann der „Staner“ Johann
Mattle, nur mehr tot geborgen werden. Der Schulhausbau nimmt 1876
seinen Anfang. Mit der Einweihung der Jamtalhütte 1882 hat der
Fremdenverkehr nun endgültig seinen Einzug gehalten. Die Hütte war
nicht bewirtschaftet, es versorgte sie der „Staner“ im Rössle,
wo man sich den Schlüssel holen konnte. Die Vollendung der
Arlbergbahn 1884 war sicher auch für das Tal eine wichtige Sache,
doch bedeutete dies vorerst auch ein erlöschen aller Beziehungen
nach Westen. Der Arlberg wird zur ersten Verkehrslinie Tirols und
das Paznaun ist trotz der Bahn irgendwie abgeschnitten und in einer
Sackgasse. Das Madlenerhaus wird ebenfalls 1884 gebaut. Es ist nach
einem Bregenzer Alpinisten „Madlener“ benannt.
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1887
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ist ein wichtiges
Jahr in der Geschichte, denn da wurde die von einem gewissen Handle
aus Ried begonnene neue Talstraße feierlich eingeweiht. Die
Organisatoren dieses Baus waren der Bürgermeister und Postwirt von
Ischgl, Ignaz Heiß und der damalige Pfarrer von Ischgl Roman
Schranz. Sie hatten größte Schwierigkeiten mit den Leuten von
Kappl, weil die neue Trasse nun von den Weilern hoch am Berg ins Tal
verlegt wurde. Sie wehrten sich natürlich dagegen, weil sie
fürchteten damit völlig abgeschnitten zu werden. Gott sei Dank,
hat man es doch durchgesetzt. Die erbosten Kappler drohten dann dem
Postwirt Heiß, dass sie beim Kreuzzug nach Ischgl in seinem
Wirtshaus nicht mehr einkehren werden.
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1888
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wirft die Großtallawine
die Jambach - Brücke in Stücken über den Rain hinauf. Wir wissen,
dass sie das kann, haben wir es doch auch schon erlebt. In Meran
wird der Dichter Johann Pfeiffer am 31. Dezember tot in seinem Bett
aufgefunden, im gleichen Jahr grassiert eine Scharlach – Epidemie
im Dorf.
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1889
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eröffnet die
Sektion Heidelberg ihre Hütte im hinteren schweizerischen Fimbertal.
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1890
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fällt unter die
Zeit der Schwabenkinder, wo Schulkinder in Ravensburg regelrecht auf
einem Markt den Sommer über an Bauern verschachert wurden und
schwere Arbeit leisten mussten, um ein paar Schuhe, ein Gewand und
um ein Essen weniger am häuslichen Tisch. In manchen Häusern ging
es ihnen gut, in manchen schlecht, fast immer aber wurden sie
weinend vom Heimweh geplagt, in die Fremde geschickt. In diesem Jahr
wurde nun ein Verein zum wohl der sogenannten Hirtenkinder und der
jugendlichen Arbeiter gegründet. Den sogenannten „Kindsdirnen“
ging es in der Heimat auch nicht viel besser, denn die 10 – 12 jährigen
Mädchen wurden unter obigem Titel von Bekannten angeworben und
mussten zum Teil schwerste Arbeit verrichten.
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1888
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hören wir zum
ersten mal von einem fröhlichen, gesellschaftlichen Ereignis in der
Gemeinde, von einem Blochziehen. Auch eine „Guxe“ (Schneesturm)
kann ihre guten Seiten haben. Am 10.3.1896 können die Burschen
wegen so einer Guxe nicht zur Musterung und die Kinder können 10
Tage lang nicht in die Schule, etwas Erfreuliches, sozusagen auch
ein Glanzpunkt.
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1896
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wurde die
Wiesbadnerhütte eröffnet.
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1899
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wieder einmal die
Maul- und Klauenseuche. Dann kommt der meiner Meinung nach größte
Glanzpunkt in der Geschichte Galtürs:
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1900
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Am 26.09. kauft die
Gemeinde Galtür von der Gemeinde Ardez die Alpe Vermunt um 60.400.-
Franken. Dadurch wird das Tor in eine freundlichere Zukunft weit geöffnet.
Und das waren die Männer dieser großen Stunde: Ignaz Lorenz, dem
Chronisten Erich Lorenz nach, der treibende Teil, Gottlieb Lorenz,
der Urahne der jetzigen Balluner, Zangerle Alois (Seppl’s Luis),
Wohlfart Franz, Franz Walter, der Portner und Alois Walter, ein
Brosis. Der Gemeinderat war sich lange nicht einig bis dann Ignaz
Lorenz die Sache beschleunigte und zu seinem Bruder Gottlieb gesagt
haben soll, wenn die Alpe nicht von der Gemeinde gekauft würde,
dann kaufen sie Vermunt und zahlen den Preis aus der eigenen Tasche.
Mit diesem weitsichtigen Entschluss des Kaufes dieser Großliegenschaft
wurde Galtür vorerst einmal zur reichsten Gemeinde weitum. Die
Hirten in Vermunt konnten durch die Sömmerung der Schafe und der
„Neaßer“ (Kleinvieh) bezahlt werden, sodass es sich lohnte
einen eigenen Schäfer anzustellen.
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1900
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war auch die Primiz
eines Galtürers, Emmerich Lorenz, auch einer aus dem Geschlecht der
Balluner. Zwischen 1900 und 1914 gab es wieder viele schwere
Lawinenwinter.
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1903
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zeigt sich die
erste Erfolgsmeldung des Fremdenverkehrs, die Jamtalhütte hat 450
Übernachtungen, die Wiesbadnerhütte schon 1000.
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1904
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erbringt die Alpe
Vermunt 6.189 Kronen Erlös, es wurden damals 4000 Schafe gesömmert.
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1906
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gelingt bereits die
erste Silvrettadurchquerung mit Schiern. Ein Ausländer, Prof.
Jakobi, baut am „Guggerschrofen“, dem Bescheid nach eine Villa
– geworden ist es eine „Alphütte“.
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1907
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wird der bereits
erwähnte Pfarrer Roman Schranz, der Pionier der Talstraße
begraben. Er war der erste Ehrenbürger aller Talgemeinden und ist
sicher bis heute der einzige „pfarrliche“ Ehrenbürger“ des
ganzen Paznaun geblieben. Das Begräbnis gestaltete sich typisch
paznaunerisch, es war eine solche Guxe, dass die Galtürer nicht
nach Ischgl kamen und umkehren mussten
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1909
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müssen die
Paznauner zur Deckung dringender Schulden vom Postwirt Heiß in
Ischgl, der Geld genug hatte, ein Darlehen aufnehmen.
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1909–1910
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baut man das Hotel
Fluchthorn.
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1911
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durchsteigt der berühmte
Alpinist Paul Preuß, die Litzner – Nordwand, erst vor kurzem hörten
wir in „Land der Berge“ von diesem Bergsteiger. Im gleichen Jahr
eröffnete die Sektion Saarbrücken ihre großartig gelegene Hütte.
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1912
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kam Pfarrer Iranek
nach Mieming. Um seine Stelle bewarben sich damals Johann Larcher
und Heinrich Knabel. Die Pfarrer mussten damals um eine Stelle
anhalten und wurden dann von der Gemeinde gewählt. Da beide
unbekannt waren, war die Wahlbeteiligung schwach. Pfarrer Larcher
erhielt dann mit 21 Stimmen die Pfarrei.
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1913
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erscheint im
Bernina – Verlag Chur der erste Schiführer „Silvretta“. 2/3
der Bevölkerung erkranken in diesem Jahr an Diptherie.
Dr. Schranz der
Sprengelarzt von Kappl, leistete 15 mal Hilfe. Er war der Vorgänger
meines Vaters und nur, wer die Verhältnisse von damals kennt, kann
seine Leistung, so oft herauf zu kommen, richtig würdigen. Aber
ohne Pfarrer Larcher wäre es nicht gegangen, meint die Chronik. Die
Pfarrer musste auch leibliche Ärzte sein. Bei dieser Epidemie
starben drei Kinder und ein Erwachsener. Der Erste Weltkrieg 1914
– 1918 forderte 10 Gefallene bei 100 eingerückten Männern und
Burschen. Die Begeisterung hält sich in Grenzen, steht in den Büchern,
was damals nicht selbstverständlich war. Dem Pfarrer fiel die
undankbare Aufgabe zu, die Familien der Gefallenen vom Tod ihrer
Angehörigen zu verständigen. Benedikt Lorenz, der Vater des
Dekans, war der einzige Verheiratete der fiel. Am 23.12.1919 zerstörte
eine Großlawine die Kinge und forderte ihre Opfer. Das ist so
bekannt, dass ich nicht darüber sprechen brauche.
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1920
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herrscht bittere
Not, daher blüht der Schmuggel. Die Paznauner schmuggeln mit Häuten,
Fellen, mit Butter und Kitzen, Industrien und Großvieh. Als man
einmal 2 Galtürer in der Schweiz erwischt, schickten sie ein
Telegram an die besorgten Angehörigen., dass sie bei der Schweizer
Armee gut aufgehoben seien.
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1922
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begonnen die
Verhandlungen über den Bau eines kleinen Elektrizitätswerkes, vor
allem mit dem Pfarrer, mit dem die Gemeinde damals ein ausgesprochen
schlechtes Verhältnis hatte.
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1922
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begräbt eine
Lawine die Brüder Josef und Anselm Zangerle, vom Brandle am
Zeblesjoch, beim Schmuggeln. Jetzt schmuggelt man nicht mehr nur aus
Not, sondern auch aus Profitgier., meint der Geschichtsschreiber.
Bischof Waitz kommt zu Fuß über das Zeinisjoch nach Galtür und
wird dort von der Talgeistlichkeit erwartet. Von dort geht er an
diesem Tag noch nach Mathon. Am nächsten Tag soll er wieder über
das Zeinisjoch bis Gaschurn gegangen sein. Demnach mussten die Bischöfe
damals gut gehen können.
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1923
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spendete der selbe
Bischof in Galtür die Hl. Firmung, diesmal reiste er aber in einer
offenen Kutsche an. Vor allen Häusern warteten die Leute um seinen
Segen zu bekommen. Die Berta aus der Alpenrose sollte sich auch
niederknien, legte sich aber auf den Bauch „was den Oberhirten zu
einem Lächeln veranlasste“.
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1925
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kommen alle Pfarren
Tirols zur Apostolischen Administrator in Innsbruck. Die damalige
Geld-Inflation beleuchtet so richtig, dass der neue Tabernakel in
Galtür 7,5 Millionen Schilling gekostet hat. Im gleichen Jahr 1925
führte Österreich die Schillingwährung ein. Man wechselte einen
Schilling für 10.000 Kronen ein.
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1926
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rattert das erste
Auto nach Galtür. Man bezeichnet es als „Tuifl auf Rädern“ die
Galtürer besinnen sich ihrer Tradition und gründen die
Musikkappelle wieder neu.
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1927
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kommen bereits
planmäßige Postautos ins Dorf und die Heilbronner Hütte beginnt
ihren Betrieb. Der neue Wohlstand macht sich bemerkbar, es binnen
sich erste Neubauten nach Generationen: Landle, Ballunspitze,
Pension Wechner, Walter Luggi, Edelweiß, Paznaunerhof und andere,
in den Jahren 1927 bis 1929. um 1930 treten dann die Illwerke als
Partner und neue Geldquelle für Galtür in Erscheinung.
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1930/31
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wird das
Kleinvermuntwerk in Betrieb genommen, Josef Lorenz kauft und übernimmt
Zeinis, im Winter zählt man schon einige 1000 Gäste. Wenn es wegen
des Schnees schwierig wird, setzt die Post Raupenschlitten ein, die
den Verkehr klaglos aufrecht erhalten.
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1932
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baut Eugen Walter
das Bergfried, auch in der Birche entsteht ein neues Haus und der
Lehrer Kathrein vollendet sein 1930 begonnenes Heim am Kirchenegg.
Emma Lorenz, die Witwe des im ersten Weltkrieg gefallenen Benedikt
zieht mit ihren Kindern nach
Langenegg. Alle
Gast- und Privathäuser sind 1932 ausgebucht. Ein Jude will in der Nähe
des Widums ein Nachtlokal errichten und macht dem Josef Kathrein
(Zoller) ein Angebot mit einer unglaublichen Summe.
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1933
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bringt die
1000-Marksperre ein fast völliges Versiegen des Deutschen
Gaststroms, weil ja jeder Deutsche vor der Einreise nach Österreich
1000 Mark zu zahlen hatte. Viele, viele Wirte in ganz Tirol trieb
diese Maßnahme ganz oder an den Rand des Ruins. In Galtür ging es
noch halbwegs weil andere Ausländer in reichlicher Anzahl gekommen
sind. Im Winter 1935 ist ganz Galtür von Lawinen eingeschlossen,
eine davon geht wieder einmal auf der Kinge nieder, Josef Salner,
verlahnt bei der Jamtalhütte tödlich.
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1935-1937
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tut man erstmals
etwas zum Schutz der Häuser und baut die Lawinenschutzmauer bei
Gidis in Tschafein, beim Ulrich, Lenzahäuser, Zimalis, Felis, in
der Bircha, am Poart beim Arthur und beim Zimpfer. 63 muss der alte
Lehrer in der Schule 1935 unterrichten. Trotz der 1000-Marksperre
steht mit den Gästen 1936 recht gut. Die Besetzung ist
international; Franzosen, Holländer, Tschechen, Ungarn, Schweizer
und Schweden. Im zweiten Weltkrieg 1939 – 1945 fallen von Galtür
14 junge Männer, 5 bleiben vermisst. Trotz des Krieges geht die
Bautätigkeit der Illwerke AG unvermindert weiter.
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1940
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hat man mit der
Baustufe Obervermunt begonnen und arbeite mit Hochdruck an der
Staumauer des Silvrettasees. Mit einer mittleren Temperatur von –
21 °C im Jänner wird 1947 zum kältesten Winter und zum kältesten
Jahr. In diesem Jahr kommt der letzte Kriegsgefangene, Hermann
Lorenz, von Moskau nach Hause und wird feierlich mit der
Musikkappelle empfangen. Die Staumauer wird in diesem Jahr fertig,
einige 1000 Mitarbeiter werden zur Zeit von den Illwerken beschäftigt.
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1949
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baut man den
Schilift in der Böscha, der Schmid errichtet eine neue „Schmidta“
im „Büntali“ die in einigen Jahren von einer Lawine zerstört
wird., die Bachüberleitungen von Fimba, Larein und zum teil beim
Vermuntstausee werden langsam fertig.
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1950
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zählt man 2000
Arbeiter die dies zu Stande gebracht haben. Der Chronist vermerkt
dazu:“ Jetzt fließt unser Wasser nicht mehr ins Schwarze Meer,
sondern in den Rhein und die Nordsee!“
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1951
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ist die
Silvrettastraße einspurig befahrbar, nach einem furchtbaren
Lawinenwinter, vor allem für das Untertal. Die „Moosbacherin“
reißt Häuser nieder und begräbt Menschen. Das ganze Tal ist
gesperrt. Ich selbst machte mit Schiern auf ins Obertal nach Galtür,
wo einmal nicht viel passiert ist. Das alte Haus Klein-Zeinis fiel
einer kleinen Lawine zum Opfer. In Tirol gab es in diesem Winter 54
Tote.
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1952
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machte man in Galtür,
dass meines Wissens nach , letzte Blochziehen.
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Am 21.03.1952
zerdrückt nach einem heftigen Schneefall ein
Nassschneerutsch eine Baracke der Illwerke im Larein und tötet 7
Arbeiter, einen davon aus Mathon. Der Abtransport der Leichen
gestaltete sich abenteuerlich. Erwin Walter führt 1954 zehn
Rentiere aus Finnland ein, Kühe, Ochsen und Stiere, drei kommen
dazu noch in Galtür auf die Welt. Sie gehen mit der Zeit alle elend
zu Grunde, weil weder die Ernährung, noch die Lage passend waren.
Ein großer und wichtiger Tag für Galtür war der 26.06.1954, an
dem die Silvrettastraße für den Massenverkehr freigegeben wurde.
Damit begann der Verkehr wieder in der historischen
West –
Ostrichtung zu laufen und das Paznaun ist keine Sackgasse mehr. An
dieser Straße bauen die Familie Niedermeier 1954 das Hotel Piz Buin
und die Illwerke 1955/1956 das Silvrettahotel. Bundeskanzler Raab
ist um diese Zeit bereits zum dritten mal in Galtür. Auch wir
lernen 1956 ein großes Hochwasser kennen. Der Bischof muss wegen
einer weggeschwemmten Brücke mit der Kutsche nach Galtür gebracht
werden. Im Bereich der Furcla del Confin ereignet sich am 07.03.1959
ein großes Bergunglück. Der Bergführer Erwin Zangerle aus Galtür
wurde durch „Meuterei“ am Schiff“, so sehe ich es, von einigen
seiner 12 Gästen, so nervös gemacht, dass er das Biwak in dem alle
völlig sicher waren, verließ. Er wollte vermutlich einen anderen
Weg suchen und kehrte nie mehr zurück. Er ist bis heute
verschollen. Die Gruppe blieb leider auch nicht im sicheren Biwak,
so starben 4 Menschen einen leider sinnlosen Tod. Während der
Einweihung des Hotel Dreiländer am 15.12.1957 erfror am Joch, ca.
200 m vor dem Gasthaus der junge Ignaz Mattle, der vom Montafon herüberkam.
Der alte „Zeinis Josef“ machte sich Zeit seines Lebens Vorwürfe,
dass er ausgerechnet an diesem Tag nicht auf Zeinis war.
Um diese Zeit gab
es noch andere tragische Todesfälle in Galtür. Neben Ignaz Mattle,
der junge Edmund Lorenz, Wirt der Wiesbadenerhütte, den man aus völliger
Gesundheit tot in seinem Stall fand und Rosa Lorenz, die junge
Alpenrosenwirtin, die an einer Schwangerschaft starb.
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1960
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hat Galtür bereits
1400 Gästebetten und man beginnt mit dem Bau des Alpkogelliftes.
Die 600-Jahrfeier der Auffindung des Gnadenbilds wird festlich
begangen.
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1960/61
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kann man die
Silvrettastraße zweispurig befahren. Während einer Guxe 1962
stirbt der bekannte Hüttenwirt der Jamtalhütte, Albert Lorenz. Das
Begräbnis und das Beten gestalten sich wegen des Schneesturms äußerst
schwierig. Nach einem Seilriss der schon fertigen Silvrettaseilbahn
in Ischgl kommt es doch noch zu einer endgültigen Fertigstellung.
Der 12.01.1963 ist der Weihetag dieser ersten Silvrettabahn in
Ischgl und der Geburtstag einer neuen Zeit, nicht nur in Ischgl,
sondern im ganzen Paznaun. Die Bahn wurde vom damaligen
Verkehrsminister Probst ihrer Bestimmung übergeben.
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1966
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gehen die Galtürer
an den Bau des Schwimmbads. Die Birkhahnbahn wird begonnen, - die
Illwerke bauen das Pumpwerk.
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1967
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braust die Großtallawine
ins Dorf, vernichtet die „Schmidta“ und die Jammer-Brücke und
reißt ca. 40 Autos bis zu 100m weit mit. Der einzige der in einem
dieser Autos verschüttet wurde, konnte in letzter Minute gerettet
werden.
Der berühmte Prof. Holzmeister vergrößert 1968 die Kirche auf großartige
Weise.
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1969
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bringt uns wieder
einen Bundespräsidenten, diesmal Präsident Jonas, nach Galtür ins
Rössle. Er kommt von der Einweihung des Kopsstausees. Wiederum
kommt es zu einem schweren Lawinenwinter, in dem die „Pritza
Maria“ in ihrer „Pritza“ verschüttet und getötet wurde. Die
Straße wird in diesem Jahr von 13 Raupen geräumt. Präsidentenbesuch
gibt es wieder 1977, wo uns Präsident Kirchschläger die Ehre gibt.
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1977
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eröffnet
Bundeskanzler Kreisky persönlich die Fimberbahn in Ischgl.
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1979
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wird die sehr schön
gelegene Waldkappelle am Eingang zum Larein eingeweiht. Das Widum
mit dem Pfarrzentrum kann 1980 geweiht und eröffnet werden. Damit
beende ich in diesem Düsenjet gemachten Ausflug in unsere
Geschichte.
Und nun meine
lieben Freunde, was sagt uns diese Geschichte der Katastrophen auch,
von wo wir kommen und von wo wir stammen: „Besiedelt zuerst von
den Rätoromanen, lesen wir und fragen uns, was war das für ein
Volk ? Die Römer eroberten den Alpenraum um Christi Geburt und
trafen so auf die dort seit Jahrhunderten wohnende Urbevölkerung,
die Rätier. In den ca. 400 Jahren der römischen Besatzung
vermischten sich Romanen und Rätier zu dem Volk, dass wir eben die
Rätoromanen nennen. Diese kamen dann eines Tages über die
Silvrettapässe in unsere Hochtäler Fimber, Jam und Vermunt bis zur
Trisanna und gründeten dort die ersten Dauersiedlungen. Über diese
Zeit weiß man nichts genaues, daher sind Vermutungen erlaubt. Wir
lernten in der Schule immer, dass der Name Trisanne (Tri = drei /
Sanna = Bach) „Drei Bäche“ bedeute, das stimmt natürlich
nicht, denn welcher Bach hätte nicht drei Ursprünge. Manche
Forscher meinen der Flußname käme von dem klangvollen „Val
Drusiana“ Tal des Drusus). Dieser Drusus war immerhin einer der
beiden Schwiegersöhne, des aus der Bibel bekannten Kaiser Augustus,
die das Römerreich bis weit nach Deutschland hinaus kriegerisch
vergrößert haben.
Diese Rätoromanen
haben zwar die ersten Dauersiedlungen und mit Sicherheit die Orte
Galtür und Ischgl gegründet, sie gaben auch den Bergen und Almen
und Fluren ihre klingenden „romanischen“ Namen und zwar im
ganzen Tal (auch in Kappl und See sind diese Bezeichnungen rätischen
Ursprungs) – trotzdem wurde ein anderer Volksstamm für das
Obertal viel wichtiger – das waren die „Walser“.
Wer waren
nun diese Walser? Wir lesen in der Chronik: Die Walser:
zwischen dem ewigen Eis, am Gletscher der Jungfrau und des Monte
Rosa, im Reich der Burgunder, bildete sich im obersten Rhonetal aus
eingewanderten Schwaben ein besonderes Völklein. Das Lande dieser
Walser wurde dann in vielen dieser Kriege besetzt, sogar von den
Sarazenen, von 60 Burgen aus wurden Raubritter gesandt und die
Adeligen waren gegen die Freiheit dieser Einwohner. Als dann dazu
noch eine große Dürre ausbrach, suchten sie sich andere
Siedlungsgebiete und kamen dabei im 13. und 14. Jahrhundert ins
Rheintal, wo sie gut aufgenommen wurden. Den Grafen von Montfort in
Vorarlberg wurde bald ihre Tüchtigkeit bekannt und sie beriefen sie
zuerst zu Kriegsdiensten ein. Bald aber schickten sie diese Walser
in die romanischen besiedelten Hochtäler, um den Leuten dort
rationelle Landwirtschaft und Viehzucht zu zeigen. „Sie bauten Höfe
und Dörfer, wo vorher nur die Hütte des Jägers war.“ 1320 lesen
wir von „homines dicti Walser“ (Leute, die Walser genannt
wurden) und 1408 spricht die Chronik von „Alle Walliser uf Galthüre.“
Sie waren freie Bauern, also keine Leibeigenen, was damals nicht
selbstverständlich war. Dazu kamen sie den Herren noch sehr billig,
weil sie den Walsern nichts zu geben brauchten indem sich die Walser
ihre Getreide selbst eintauschten. Die Geschichte Galtürs ist
wesentlich vom Klima beeinflusst worden. Dieses Klima war und
ist wechselhaft, wir wissen aus eigener Erfahrung, dass alle
Extreme möglich sind:
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1674
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hören wir von
einem frühen Sommer, alles war einen Monat früher.
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1689
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herrschte ein
schwerer Winter, während der 1710 als ausgesprochen warm bezeichnet
wird. Die Ziegen konnten bis „Stefani“ auf der Weide bleiben.
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1718
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wird als gutes Jahr
geschildert. Die Bohnen blühten in Ischgl schon ganz früh und auch
der Roggen gedieh vorzüglich. Dafür klagte man ein Jahr später
1917 über Heunot, während 1724 der Winter so warm und mild wurde,
dass man bis zum 14.2.1725 das Heu aus den Bergmähdern tragen
musste.
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1749
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kommt der Frühling
so spät ins Land, dass die Bauern ihr Vieh bis Juli im Stall füttern
mussten., dasselbe war schon 1728 nötig, als am 19. September ein
großer Schnee Wege und Weiden zudeckte. Damals jammerte man zusätzlich
noch über einen enormen Schaden durch Mäuse.
Das 19. Jahrhundert
war nicht anders, Extreme über Extreme.
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1891
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fand man den
Junggesellen Christian Pfeiffer tot im Bett auf, fast hätte eine
Guxe das Begräbnis im Februar unmöglich gemacht. Es viel damals so
viel Schnee, dass bei der Prozession nach Tschafein, am Markustag
noch kein Zaun sichtbar war.
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1895
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hören wir von
einer Seltenheit von einem „Furchtbar heißen Herbst“ dafür wüten
am Fest Maria Namen so starke Gewitter, dass Schneevögel und Vieh
erfroren sind. 1998 kommen die Kinder wegen einer Guxe 10 Tage nicht
in die Schule. Das Klima von Galtür und damit auch die Geschichte
wurde wesentlich davon bestimmt, dass der bisher apere Vermuntpass
so stark vom Schnee bedeckt wurde, dass ein Viehtrieb von Jahr zu
Jahr gefährlicher und mit der Zeit unmöglich wurde. So mussten die
Engadiner mit den Galtürern verhandeln, dass sie die Triebe durch
Galtür und über den Futschölpass treiben durften. Da es wegen
Vermunt schon jahrhundertlange Streit gab, ließen die Galtürer den
Viehtrieb nicht zu, so kam es 1599 beinahe zum Krieg. 30 Engadiner
Sennleute und Hirten wollten mit 400 Rindern durch Galtür über den
„Fetschiel“. Die Galtürer lehnten, wie gesagt ab, vor allem
weil sie einen Teil der Alpe Piel, so nannte man das Vermunt damals,
haben wollten, was wiederum die Ardezer nicht taten. Misstrauisch
wie man aufeinander war, trauten die Galtürer dem bloßen Verbot
nicht, stellten Wachen auf und gingen ins Wirtshaus. Wirklich
wollten die Engadiner den Durchgang erzwingen und zogen mitten in
der Nacht durchs Kleinvermunt nach Galtür.
Die Galtürer
brannten darauf hin „Kreidefeuer“ ab, haben ihre Streitwaffen
gezückt, zogen gegen die Bielerhöhe und warfen die Engadiner zurück,
wobei nur zwei Rinder verletzt wurden. Die Ardezer mussten dann mit
ihrem Vieh wohl oder übel über den Gletscher und hatten „Käserin
oder Täga“ (Taya) die so mit Brettern bedeckt gewesen sind,
abgedeckt und über Ferner oder unsicheren Stellen , Pruggen
geschlagen, und das im Oktober. Auch dabei ist nichts besonderes
passiert.
Der kälteste Monat
in Galtür war der Jänner 1947 mit –26,1 °C Normalerweise haben
wir 193 frostfreie Tage, die Vegetationsperiode ist von Juni bis
September. Der heißeste Monat war der Juli 1947 mit einem 50-jährigen
Maximum von 27,9 °C. Neben dem Klima ist der Wald ein wichtiger
Punkt in der Geschichte und im Leben von Galtür. Er war und ist ein
großes Problem. Der „Zimalis Anton“ hat einmal gesagt, die
Walser haben ein gestörtes Verhältnis zum Wald gehabt. Er hat
nicht ganz unrecht, aber es waren nicht nur die Walser. Jedenfalls
heißt es von den Ureinwohnern, dass Galtür an einem waldigen Ort
gelegen war. Nun schlugen schon die Engadiner und dann die Walser
den Almen – und Wiesengürtel in den reichlich vorhandenen Wald
und machten damit den Anfang mit einer jahrhunderte dauernden
Entwaldung.
Viel Holz wurde
auch für die „Salzpfanne“ in Hall geschlagen. Es seien oft bis
zu 30 Holzknechte jahrzehntelang im Obertal gewesen, um Bäume für
die „Saline“ zu fällen. Eine geregelte Waldwirtschaft gibt es
ja eigentlich erst seit kurzer Zeit, vielleicht seit 50 bis 70
Jahren. Bis dort war der Wald das Eigentum der Gemeinden, ab dem man
sich am leichtesten schadlos hielt, und den
man auch am raschesten zu Geld machen konnte. Im Untertal gehören
heute noch große Waldanteile dem Staat,
dem „Aerar“ , der Gemeinde Grins, Landeck und Fiss. Wenn
man damals Schulden hatte, hat man diese einfach mit Wald abgezahlt.
Bei den Walsern stand die Waldwirtschaft eindeutig im Schatten der
Weidewirtschaft. Große Rodungen in der Talregion und die Ausdehnung
der Almweiden drückten
die Waldgrenze herab. Da die Walser fast nur Viehzucht betrieben
haben, brauchten sie viel Grünland, auch die Almwirtschaft
verschlang eine große Menge an Nutz- und Brennholz. Daher waren große
Brandrodungen nötig, die leider in gewaltigen Ausmaßen durchgeführt
wurden, aber nicht wegen der Bären wie vielmals gesagt wurde.
Zu dem gesellte
sich eine Klimaverschlechterung. Um den gleichen Ertrag aus einem
Anwesen herauswirtschaften zu können, mussten die Galtürer Bauern
die früheren Weidegründe zu Feldern und einen Teil des Waldgürtels
zu Weidegründen machen. Dazu musste der Wald, ich stellte mir das
jedenfalls so vor, etwa im Bereich der jetzigen „Reichi“ über
dem Gampen (der vielleicht vorher Weide war) abgeholzt oder
abgebrannt werden.
Der Wald war in der
Geschichte kostbar und es gab bereits im 17. jahrhundert Bannwälder,
nachdem 1551 (Silberbau in Mathon) und 1556,1682 und 1800 große
Schlägerungen durchgeführt
wurden, sodass mit den Almrechten, dem Hut und Almzwang, den
Schneeflucht, Holzbezugs- und Waldweiderechten der Wald von 1174 –
1880 stark zurückging. Dann kamen noch die zum Teil dadurch
entstandenen Lawinen dazu, sodass Galtür in den letzten Hundert
Jahren, wenn man den Berichterstattern glauben darf 85 % seines
Waldes verloren hat. Wir wissen es alle, richtigen bis in die
Kahlregion reichenden Hochwald gibt es nur mehr am Maaswald, der
teilweise bis an den Predigtberg reicht. Mit der Ackerfläche war es
nicht viel anders. 1858 hatte Galtür noch 4 Hektar Äcker, denen
heute winzige 30 Ar Gartenflächen entsprechen. 30 Zentner
Sommergerste und 600 Zentner Kartoffeln waren der Ertrag vor hundert
Jahren. Sturmwinde mit Verwüstungen sind in der Geschichte keine
Seltenheit, einen haben wir ja alle erlebt, den in Wirl. Von einem
Sturm gewaltigen Ausmaßes berichtet die Chronik am 31.08.1825. In
den Bergmähdern wurde das Heu weggetragen, das Gras aus den Wurzeln
gerissen und das Wasser aus den Rinnsalen getrieben. Die stärksten
Männer haben sich auf den Boden geworfen. Im März 1898 brauste ein
fürchterlicher Fönwind, der die Häuser am Port, in Tschafein und
in Wirl beschädigt hat. Von den Lawinen will ich weiterhin nicht
mehr sprechen. In einer
von Hofrat Leys gemachten Zusammenfassung heißt es, im Paznaun gäbe
es 139 Lawinenzüge, die bis ins Tal gehen. Von diesen seien 89 jährlich
zu erwarten. In der Zeit von 1383 – 1970 hätten diese an Opfern
gefordert: 102 Verschüttete und 59 Tote! Noch dramatischer als die
Lawinen zeigte sich oft das Hochwasser. Ich lasse die Chronisten nur
über eines dieser Ereignisse berichten: Juli 1762, am Donnerstag 3
Uhr nachmittags bedeckten schreckliche Wolken den Himmel., Regen auf
beiden Seiten es Zeinisjoches , Winde und Stürme brüllten, von
allen Hängen und Bergen kamen Wasser und Getöse zu Tal. Riesige
Felsblöcke, die stärksten Bäume, wälzten sich die Berge hinab.
Die Wildbäche der beiden Täler, Jam und Vermunt brachten
Schlammmassen und Wasser, zerstörten die Felder, Wege und Pfade und
rissen Gebäude, Stall und Städel mit sich fort. Alle Brücken von
Zeinis bis Hall wurden bis auf drei fortgeschwemmt. Halbnackte
Menschen rasten durcheinander, um in aller Eile ihr Hab und Gut,
ihre Angehörigen und sich selbst in Sicherheit zu bringen. Der
Schaden belief sich nach einer Schätzung des Magistrats auf 10.333
Gulden, das wären heute Milliardenbeträge. In Ischgl wurde der
Weiler Paznaun zerstört und am Brenner fielen drei Häuser und eine
Schlosserschmiede den Wassern zum Opfer. Noch entsetzlicher war der
Anblick im Montafon, wo 95 Häuser fortgeschwemmt wurden. In
Feldkirch fuhren die Leute mit Booten durch die Straßen und um in
ihre Häuser zu kommen mussten sie durch höhergelegene Fenster
steigen. Die vielen Kriege, von denen Galtür so oft direkt
betroffen wurde, waren immer Randerscheinungen großer europäischer
Ereignisse und Auseinandersetzungen, die heute schwer zu
rekonstruieren und zu deuten sind.
Bei diesen
grausamen Zusammenstößen waren die Galtürer auch keine gerade „hofeligen“
Kriegsführer.
Einmal wurde dabei
ein Engadiner niedergeschlagen, sodann wurde er in den Johann
Salnerschen Anger hinuntergeworfen, das Maul mit Pulver ausgefüllt
und angezunden, welches er sogar aber wieder mit den Händen von der
Zunge gekratzt hat, sodann mit Spieß und Hellbarde durchs Herz in
die Erde gesteckt, welche er selbst wieder herausgezogen. Aus „Rach
Gottes“ hat er lang nicht sterben und ab der Welt kommen können!
Dafür dass er nicht aufgeben wollte, strafte ihn Gott scheinbar mit
einem langen Leben.
Die schweren
Epidemien und Infektionskrankheiten, wie Typhus, Diphterie, schwarze
Blattern (Pocken) und Pest hatte in so einem kleinen Dorf große
gesellschaftspolitische Auswirkungen. Diese Krankheiten rafften oft
so viele Menschen hinweg, dass Mangel an Arbeitskräften die Güter
und Almen sehr „wohlfeil“ wurden.
So kam es zum
Beispiel : Zwei Brüder in Tschafein, denen ein großes Bauerngut
und ein Pferd zu stand, fiel es schwer , zu wählen, weil eigentlich
jeder lieber das Pferd, als das Anwesen gehabt hätte. Eine ähnliche
Geschichte erzählt man auch über den Verkauf der Schnapfenalpe an
die „Göfner“. Das dürfte aber nicht stimmen. Richtig ist es
aber dass die Bauerngüter wegen der Entvölkerung durch die Seuchen
nichts mehr wert waren. Diese Krankheiten waren schrecklich, sie
sind erst durch die Impfungen besiegt worden.
Trotz Not und Unglück
konnte der Humor nicht ausgerottet werden. Ein Fröhliches Gedicht
aus alten Tagen, dass die alten Galtürer zum Kirchgang einlädt,
sei ganz angeführt:
„Nun sollen
kommen, die am Gampen
und alle dort in die Kirche trampen
Doch der alte Schuechter auf dem Poart
kann sitzen bleiben an seinem Ort!“
„Hört ihr Lüte
und loßt euch sagen
auf meiner Uhr hat’s 8 Uhr geschlagen
Bald muss ich den alten Herren in die Kille tragen,
weil er will Messe haben.“
Die Buren auf der
Kingen
können mir helfen bei der Mess
zu singen denn mit mir allein
mochts übel klingen, und die Lüte
aus der Kille springen.“
die alten Weiber
unter dem Gorfen
gehören zu denen ausser Tschafein
aus diese müsse zur kille kommen
sonst gehören sie nicht zu den Frommen.“
„Weiter sollen
kommen die von
Tschafein und die Lüte bei dem
großen Stein, auch die Nachburn
auf Gafelar und sonst überall har“
In gleichen müssen
erscheinen die von Wirl,
noch vor ich sperr das Kirchentürl.
Mit ihnen kommen auch zur Kirche
der große Bauer in der Birche.“
„Zuletzt sollen
kommen die
Unterm Rain mit denen sonst
noch dorten sein.
Endlich die auf der Mais
samt allem Lumpengeschmeiß!“
Der Schmuggler war in den Nachkriegsjahren nach beiden Weltkriegen
eine wichtige Einnahmequelle und brachte zum Teil viel, immer aber
schwer verdientes Geld ins Haus. Wie mir der alte Wegmacher Emil in
Tschafein erzählte, war das Problem nicht einmal sosehr über die Pässe
ins Samnaun und Engadin zu kommen und die Schmuggelware sicher
herzubringen, - die Schwierigkeiten begannen erst da. In diesen
schweren Jahren konnte die Ware nämlich weder im Paznaun, noch in
Landeck abgesetzt und verkauft werden. Daher mussten Schmuggler nach
den durchgemachten Strapazen noch einen zusätzlichen Weg über das
Verwall in Kauf nehmen.
Von einer anderen bösen
Sache ist nicht viel Genaues zu erfahren. Da sei es beim
Kirchenputzen zu einem offenen Streit gekommen in dem ein „roter
und ein schwarzer“ Balluner verwickelt gewesen sein soll. Der
Streit sei zu einer regelrechten Schlacht in der Kirche ausgeartet
– und es soll sogar Blut im Gotteshaus geflossen sein, sodass man
die Kirche habe neu einweihen müssen. Was früher bemerkenswert
war: 1722 hat ein „Türk aus der Tartarey“ ein großes Kameltier
nach Ischgl gebracht und gegen Bezahlung anschauen lassen.
Bis heute hat sich
die Sage oder Erzählung von starken Leuten erhalten. Christian
Bernhards ist so ein Kraftmensch gewesen; Er hat eine Kuh die am
Tritt in den Bach gefallen war, mit bloßen Händen herausgezogen
und wurde deswegen „Christli Kuhhaut“ genannt. Seine Kraft war
so stark, dass sogar Erzherzog Friedrich von ihm hörte. Er lud ihn
darauf hin nach Innsbruck ein, wo er mit bloßen Händen gegen einen
Gegner in Hanisch kämpfen musste. Diesem schlug er aber mit einer
Latte bzw. einer Dechisesel einen Fuß ab. Als man daraufhin einen
Hund auf ihn hetzte, erschlug er erst den Hund, - und mit dem toten
Hund schlug er noch wild um sich. Der Kampfplatz sei nahe der Kirche
gewesen und der Erzherzog sei auf den rauen Kämpfer gar nicht gut
zu sprechen gewesen. Christli Kuhhaut sei später an einer kleinen,
lächerlichen Wunde gestorben.
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1705
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starb in Ischgl ein
gewisser Peter Hauser. Er wird deswegen in der Chronik erwähnt,
weil er 6 Frauen nacheinander geheiratet hat, da sie alle früh
starben. Als er die 7 heiraten wollte, starb diese noch im
Brautstand; daraufhin blieb er Witwer.
Es ist sicher nicht
wahr, aber es werden Geschichten von „Gehern“ berichtet, die
unseren besten Läufer in den Schatten stellen würden; Ein Martin
Kathrein von Ischgl sei mit einem Damian Braun von Galtür in 24
Stunden nach Innsbruck gegangen. Ein Bote sei in einem halben Tag
von Chur hierher und weiter nach Innsbruck gegangen und Jakob Nonn,
Wirt in Galtür, habe die Strecke Galtür – Chur und zurück in
einem Tag zurückgelegt. ????????
Die Luftlinie Galtür – Chur beträgt immerhin 80 km.
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1860
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wurde im hinteren
Vermunt in der Alpe Krisp der letzte Bär erschossen, ich erwähnte
es bereits. Manche glauben auch, dass wegen der Bären und der Angst
von ihnen, die Wälder um Galtür so radikal gerodet worden seien,
sicher eine fromme Ausrede!
Über die große
Glocke wissen wir, dass sie 1624 von Reinhart in Innsbruck gegossen
wurde. Die Evangelienglocke, seit kurzer Zeit
wieder unsere Sterbeglocke, hören wir, dass sie 1441
gegossen worden sein soll. 1643 wurde sie dann von den Galtürer aus
dem Kapuzinerkloster bei Klöstere im Pretigau gekauft oder
anderswie erworben.
Über die Galtürer
wurde aber nicht überall so positiv geurteilt, wie ich es vorhin
tat. Ein Reiseführer schreibt im letzten Jahrhundert:“ Es ist
schon ein merkwürdiger Kontrast zwischen dem Montafon und und dem
Paznaun!“ das lassen wir uns geografisch ja gefallen, doch dann
kommt es persönlich: „Doch wie das Land, sind auch die Leute
verschieden. Zwar sind der Montafoner und der Galtürer eines
Geschlechts, aber doch macht sich der Unterscheid zwischen
montafonerisch und tirolerisch bemerkbar. Der Montafoner ist nüchtern,
sparsam und fleißig. Im Wirtshaus hört man ihn selten singen, noch
lärmen. In Galtür, dem entlegenen Paznauner – Dorf, das kaum
einige Häuser zählt, kann man zur Tages- und Nachtzeit mitunter
das Wirtshaus voll zechender, oft betrunkener Gäste treffen. Zum
melodischen Klang der einheimischen Zither werden fragwürdige „Schnadahüpfeln“
und „Stanzeln“ gebrüllt, Flasche um Flasche entsteigt dem
Keller und unwillkürlich fragt man sich, ob es nicht auf dem
Scheitel unbewachter Grenzjöcher außer Schnee- und Eisgraupen auch
die Guldenzettel schneie, die da unten verjubelt werden!“. Ein
wildes Urteil!!!!
In den
Gerichtsakten von Ischgl hören wir es nicht besser; Um 1820 herum
muss es sogar in der Kirche arg zugegangen sein, denn 1883 rügt der
Landrichter von Ischgl die Galtürer mit nicht minder scharfen
Worten: „ Mit Missfallen muss das Landgericht bemerken, dass die
Gemeinde Galtür entartete Söhne besitzt, welche sich herbeilassen,
in der Kirche die Religionsausübungen zu stören um sonst Ärgernis
und Mutwillen zu treiben. Es wurde damals in den Häusern heimlich
Branntwein ausgeschenkt, die ganze Nacht gesoffen, wobei beide
Geschlechter gleich schlecht waren. Man erwartet da zwar von diesen
sittenlosen Menschen keine Besserung ihres Herzens, doch soll und
darf ein solcher Unfug, den sich weder Haiden noch Türken erlauben
würden, nicht länger geduldet werden“. „Wie habt ihr Galtürer
euch gebessert, müsst ihr euch das heute von einem Ischgler sagen
lassen!?“:
Sie trugen ihre
Kraxen und Rucksäcke über die „Mutta“ auf der damals noch
keine Friedrichshafnerhütte stand, über das Schafbüheljoch auf
die Konstanzerhütte. Dort kam ihnen der Hotelier Schuler aus St.
Anton mit einem zweirädrigen Karren entgegen und nahm ihnen die
Ware ab. Das war wirklich hart und trotz allem ehrlich verdientes
Geld.
Über die
Geschichte der Pfarrkirche will ich mich kurz fassen:
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1359
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Bau einer kleinen
Kirche, die abenteuerliche Sage über das Gnadenbild setzte sich als
bekannt voraus.
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1383
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feierliche Weihe
durch den Fürsterzbischof von Chur. Als Reliquien birgt der
Hochaltar: Holz vom Heiligen Kreuz, etwas aus dem Gürte von Mariens
und etwas von ihr Gekochtes (Mus?), kleine Teile der Apostel
Bartalomäus und Andreas, etwas vom Hl. Valentin und Erasmus, Blut
der Unschuldigen Kinder mit Gebeinen und dem Stab des Hl. Nikolaus.
Die Kirche wurde schon 1480 renoviert und in ihrer langen Geschichte
immer auf dem neusten Stand der Kunst gehalten, sie ist auch heute
ein Juwel der Landkirchen. Sie blieb immer der Mittelpunkt des
Dorfes und war und ist nicht nur das Zentrum des religiösen,
sondern auch das Zentrum des politischen Lebens in Galtür. Die
Kirche hält in guten Zeiten, vor allem aber in Not und Gefahr das
Dorf zusammen. Gott gebe es, dass auch die nächsten Generationen
die Kirche nicht verlassen. Ein wesentlicher Faktor des kirchlichen
Lebens in Galtür ist der sogenannte „Dreiwahlige Seelenbund“.
Mit seinen drei Möglichkeiten (dreiwahlig) den Toten zu helfen,
schweißt er, so alt er auch ist, die Gemeinde zusammen.
Das Beten an der
Bahre des Toten in seinem Haus, an dem jede Familie teilnimmt, baut
Feindschaften immerhin soweit ab, oder lässt sie schon gar nicht
entstehen, dass ein Galtürer das Haus eines anderen nicht betreten
würde; sei geschehen was wolle!
Der ganze
Totenkult, vor allem das Tragen der schwarzen
Totenkleider der
weiblichen Angehörigen, wird von jungen Leuten vielfach belächelt.
Sicher ist das „Trauern“ in seiner dramatischen Form nicht mehr
zeitgemäß, wenn man bis zu 1 Jahr schwarz gehen muss, andererseits
ist es aber doch eine Anerkennung dem Toten und vor allem der
Familie gegenüber. Und was ich heute dem Tod tue, das tut man
vielleicht auch mir einmal. Dies alles ist eine gewaltige Sache, die
das Dorf zusammenhält und nicht umsonst sagen die übrigen
Paznauner, die Galtürer seien die Frömmsten im Tal. Sie meinen
damit vielleicht nur, dass hier wenig echte Feindschaften sind. Die
Alten waren auch gute Beobachter des Sternenhimmels.
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1681
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wurde ein großer
Kometstern registriert. Tatsächlich handelte es sich um den berühmten
„Halleyschen Kometen“.
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1718
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hören wir wieder
von einem hell glänzenden Stern mit einem feurigen Schein, der in
den Häusern so leuchtete, dass man meinte, es brenne.
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1719
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sieht man wieder
einen Kometen, während 1785 so ein gewaltiger Sternschnuppenfall
registriert wurde, dass es schien als wollten die Sterne vom Himmel
fallen, auch ein prächtiger Sonnenring erregte die Bewohner.
Die Lebensader des
Tales, ist heute die Straße. Noch vor 100 Jahren schreibt
Weilemann, der Erstbesteiger des Fluchthorns über den damals
besseren Karrenweg:“ Für Brücken und Wege haben die Leute hier
kein Geld, sie haben nur den Himmel im Auge. Durch Erstellen von
Kappellen und Kalvarienbergen bahnen sie sich zu ihm den Weg. Die KK
Post zwischen Landeck und Ischgl hat seit ihrem Bestand (1865) nur
einen Passagier aufzuweisen und der benützt sie des Jahres nur
zweimal, nämlich bei seiner Reise nach
Ischgl im Frühling und seiner Rückreise nach Landeck im
Herbst“.
Die uralten
Handelswege, die damals wichtiger waren, als der Arlberg gingen über
den Malojapass ins Engadin und von dort über den Fimber und Futschöl
nach Ischgl bzw. Galtür und dann über Zeinis oder das Klostertal
bis ins ferne Veltlin. Im Silvretta-Staussee liegt ja, dass uns
allen bekannten „Veltliner-Hüsli“. Über den Futschöl sind
lange Züge von Saumpferden und kleine Wagen gefahren. Ein großes
steinernes Wirtshaus für die Allgemeinen Bedürfnisse ist angeblich
1817 gesehen worden und ein Marktplatz für die Viehmärkte habe
sich im hinteren Jamtal befunden, wo sich Leute aus Vorarlberg,
Engadin und Tirol getroffen haben.
Wie wir schon hörten
ist die heutige Straße und Trassierung in der heutigen Form 1887
eingeweiht worden. Ihre Motoren waren der Pfarrer und Der Postwirt
von Ischgl, Schranz und Heiß. Die neue Zeit der Straße brach aber
an mit der Eröffnung der Silvrettastraße 1953.
Die soziale Lage in
Galtür, war sicher so, dass bis in die neueste Zeit mehr
Not, als Wohlstand geherrscht haben. Die Geschichtsschreiber meinen
zwar, dass während der Zeit des Handels sogar Reichtum in den Häusern
gewesen sei. Es fragt sich dabei nur, ob es allen, oder nur den
Handelsleuten gut gegangen sei. Diese mussten sich nämlich mit den,
für einen kleine Mann unvorstellbaren Summen von 7.000.- bis
10.000,- Kronen in die Gesellschaften einkaufen, um überhaupt
liefern zu dürfen. Wenn man dann überlegt, dass eine Kuh damals
7.- Kronen, ein Pferd ca. 25.- Kronen gekostet haben, kann ich mir
nicht vorstellen, dass sich ein einfacher Mensch so etwas hat
leisten können.
Die Schnapfenalpe,
die Mitten im Gebiet von Galtür liegt, und den östlich Teil des
Jamtals bis zu Futschöl umfasst, gehört interessanterweise der
Gemeinde Göfis in Vorarlberg. Es gibt viele Meinungen, wie sie
dahin gekommen sei. Eine davon ist die: Es heiratete eine
Weibsperson einen Grasp in Bartholomäberg. Der Sohn dieser
Weibsperson begann ein schweres Verbrechen, weshalb er der Gemeinde
Göfis, die von der Mutter geerbte Alpe im Jam zu kaufen gab. Der
andere Teil gehörte dem Jakob Geiger von Galtür, der einen Teil
1560 ebenfalls der Gemeinde Göfis verkaufte.
Bei einem
neuerlichen Verkauf dieser Alpe darf sie auf keinen Fall den
Engadinern, sondern nur den Galtürern verkauft werden.
Die Alpe Vermunt
war jahrhunderte lang der Zankapfel zwischen Ardez und Galtür. Mit
dem Kauf diese Großobjekts wurde sicher ein Meilenstein in der
Geschichte Galtürs gesetzt. Die ganze weitere Entwicklung des
Dorfes und der Gemeinde ist eng mit diesem Ereignis verknüpft.
Der Hotelier Günther
Aloys hat in seinem Büchlein über Ischgl die Bewohner und ihre
Entwicklung mit „Hirten, Händler, Hoteliere“ gut
charakterisiert. Der Fremdenverkehr in Galtür ging ähnliche, wenn
auch nicht so stürmische Wege.
Schon vor dem
ersten Weltkrieg, besonders aber danach hat der Kranz von Hütten um
Galtür viele Gäste angelockt. 1924 berichtet man von 120.
1926 – 1928 hören
wir von guten Saisonen, seit 1927 verkehren ja schon regelmäßig
die Postautos. Von einer anderen Warte gesehen; Der Pfarrer Kathrein
schreibt, dass 1932 alles boomvoll ist, sodass die Einheimischen
ihrer Gäste Wegen im Keller und Stadel übernachten. Es seien
einige Tausend Fremden gekommen. Der Pfarrer kann dies nicht überwinden,
auch nicht das die Kriegswitwe, Emma Lorenz, ihre kleine
Landwirtschaft um 56.000 Schilling an ihren Schwager Ignaz Lorenz
verkauft. „Miraculum inauditum“ schreibt er dazu „Unerhörtes
Wunder“ in Langenegg kann sie um 35.000 Schilling ein Gasthaus mit
Feld für 6 Kühe kaufen, wo sie hier nur 2 füttern konnte.
Auch die
Lebensmittel seien durch den bösen Fremdenverkehr so in die Höhe
getrieben worden und dadurch so teuer geworden, dass „exemplum
grave“ (zum Beispiel) eine Flasche Bier in Galtür 90 Groschen, in
Innsbruck dagegen 40 Groschen und ¼ l Wein in Galtür 80 Groschen,
in Innsbruck aber 50 Groschen gekostet habe. Eine wichtige und fast
einmalige Angelegenheit ist es, dass in Galtür das Kahlgebirge
nicht, wie sonst fast überall dem Staat, sondern der Gemeinde gehört.
Am 20.03.1914 verzichtet in einem Vertrag der Gemeinde das „K u. K
Ackerbauministerium und die K u. K Forst- und Domänendirektion
Innsbruck, namens der Staatsverwaltung
auf die Wahrung der ärarischen Eigentumsansprüche auf die
in der Gemeinde Galtür gelegenen Kahlgesteinsparzellen in einem Flächenausmaß
von 6.316,9368 Hektar. Das Eigentum der Gemeinde samt Jagdrecht wird
damit anerkannt.
Das ist eine
wichtige Sache, denn man kann vor der Gletschererschließung bis zum
Hubschrauberlandeplatz ganz anders verhandeln, wenn die betroffenen
Areale, Eigentum der Gemeinde und nicht des Staates sind.
Aus der Reihe
vieler interessanter Persönlichkeiten, sei nur einer „Der alte
Staner“ herausgegriffen. Er war der Besitzer des Gasthofs Rössle,
später auch vom Zeinis und hat vom Rössle aus, wo man sich den
Schlüssel holen musste, auch die Jamtalhütte betrieben. Der
Beschreibung nach, muss er ein sehr energischer Mann gewesen sein,
der sich auch von den Fremden nichts gefallen ließ.
Über ihn schreibt
der berühmte Weilemann einmal: „Indessen tauchen Bedenken gegen
das Betreten des Wirtshauses (Rössle) auf. Hat der Wirt um nichts
und wieder nichts mit dir Streit angefangen, dir die Fäuste drohend
vor die Nase gehalten, wird er sie dir auf den Buckel operieren
lassen, wenn er erfährt, was du über ihn geschrieben hast….“
Er schrieb nämlich
in einem Silvrettabericht, dass ihn der Staner nach wiederholten
Aufenthalten nicht gekannt habe und dazu meinte: „ Ich schau nie
kann Fremden an, und kenn nie kann Fremden wieder, - a Stuck Vieh
aber, das ich einmal gesehen hab, kenn ich nach 6 Jahren noch!“
Das Verhältnis
zwischen Pfarrer und Gemeinde war nicht immer so ungetrübt, wie
heute. Speziell in den 20er Jahren, besonders 1921 kam es zum
offenen Konflikt. Es ging um die Pfründe, vor allem um die
Mesmerpfründe, es ging um die Anstellung und Bezahlung von Lehrer
und Mesmer, gehört das Mesmergut dem Pfarrer, oder der Gemeinde.
Der damalige Bürgermeister, der sonst hochverdiente Albert Lorenz
wird vom Chronisten, dem damaligen Pfarre als pfarrerfeindlich
eingestuft. Der herbeigerufene Dekan sei vom Gemeinderat ablehnend,
ja grob behandelt worden. Man ging mit der Sache sogar bis vor
Gericht.
Doch die Zeit
heilte auch diese Wunde und brachte mit dem Bau des neuen Elektrizitätswerkes
die Lösung des Streites. Zum Bau dieses Werkes brauchte man Grund
aus dem Mesmergrund und kaufte ihn vom Pfarrer, womit man
stillschweigend die Besitzrechte des Pfarrers anerkannte.
Dann schreibt der
Pessimist Pfr. Wendelin Kathrein, ein erklärter Feind des
Fremdenverkehrs über die Galtürer: „Es ist ihnen nichts zu teuer
für Kleider und Preziosen, die Sitten schwinden, es gibt heimliche
Abtreibungen und Schwangerschaften. Das ist die Rückseite der
Fremdenverkehrsindustrie! Wie wird das Ende sein!?
Dazu kommt die große
Gefahr der Überfremdung, ein gewisser
Pernes, ein Jud,
will ein Nachtlokal, noch dazu in der Nähe des Pfarrers machen. Das
würde noch fehlen, ein Hurenhaus in der Nähe des Widums. Dabei hat
er damals dem Zoller 16.000 Schilling für
192 m² Grund
geboten. Gemeint ist sicher der Platz, an dem heute das Haus Cultura
steht.
So pessimistisch
schreibt also der Pfarrer in den 30er Jahren.
Was aber sagt der
Pfarrer von heute, fast 60 Jahre danach sind die pessimistischen
Ahnungen in Erfüllung gegangen, oder nicht?
In der Radiosendung
„A Stübele voll Sonnenschein“ vom 30.04.1989 sagt unser Pfarrer
Luis Attems: „Nicht die Galtürer passen sich den Fremden an, die
Gäste passen sich den Galtürern an. Wir sind einen Missionspfarre
und haben 700 Einwohner mit 3000 Fremden, die wir bekehren. Und es
stimmt – durch die Lawinen und die ständige Gefahr ist der Galtürer
selbstlos, gläubig und altruistisch geworden. Er hat ein frohes Gemüt,
er ist großzügig und hilfsbereit.
Zudem ist er ein
grader Michel und nicht hinterfotzig. Die bösen Prophezeiungen sind
also Gott sei Dank nicht eingetroffen.
Ganz zum Schluss
noch: was sagt uns diese lange Geschichte in kurzen Worten?:
Die Rätoromanen
haben uns den Ort und seine jetzige Lage gegeben. Sie haben den Ort
gegründet und ihm den schönen Namen verliehen. Sie haben darüber
hinaus dem ganzen Tal Fluren, Berge und Orte benannt, von Galtür
angefangen, das auf Cultura zurückgeht bis zum Gampen, das von
Campus (Feld – campuin – campieren) herstammt.
Mit diesem Namen
hat sich 1000 Jahre lang unser Dialekt erhalten, das Rückgrat
unserer ganzen Kultur, er war nie so sehr gefährdet wie heute,
teilweise durch die Gäste, teils durch die gemeinsamen Schulen, in
denen Die Dorfeigenheiten der Sprache zu verschmelzen drohen, was ja
nicht das Schlimmste wäre.
Wenn ich sehe, was
hier in Galtür in den letzten Jahren kultiviert wurde und was
laufend zur Verbesserung der Felder getan wird, dass ist die Art der
anderen Vorfahren, der Walser.
Die Wiesen und
Felder innerhalb der Kirche, um ein Beispiel zu nennen sind so
hergerichtet, dass man am Land draußen nichts Besseres sieht. Das
ist echt Walserart, Kulturarbeit oberhalb und im Bereich der
Waldgrenze. Es ist auch gut, dass hier in Galtür der Hotelier noch
Bauer bleibt und ich möchte wünschen, dass sie es bleiben. Denn
durch die Landwirtschaft bleibt man mit dem Boden verbunden und die
drohende Überfremdung hat nicht so leicht Macht über unsere Leute.
Religion und Kirche waren Zentrum der Dorfgeschichte, auch der
politischen Geschichte. Ohne Religion ginge unser Eigenleben, unsere
Eigentümlichkeit, ja Sprache Dialekt und Bauerntum zugrunde. Die
Katastrophen können jederzeit in gleichem Ausmaß wieder kommen,
wie wir sie aus der Geschichte kennen, wenn auch durch Verbauungen
und andere Maßnahmen die Gefahren geringer wurden.
Diese Katastrophen
und das Wissen um Sie, bringen aber den Zusammenhalt des Dorfes –
Einer für alle und alle für Einen –
es entstehen dadurch nicht so leicht Feindschaften und keine
Eigenbrötlerei. Das Dorf ist eine Familie, die wiederum aus Großfamilien
besteht und alle halten noch wie Pech und Schwefel zusammen.
So haben wir heute
eigentlich eine gute Zeit, liebe Jungbürger, und es liegt an Euch,
dass sie die „ Gute Alte Zeit der Zukunft“ werden möge.
Wir haben heute zu
Ehren des Dichters Johann Pfeifer, des großen Sohnes von Galtür,
der vor 100 Jahren starb, eine Gedenktafel enthüllt.
Fast könnte man
meinen, er hat Euch gesehen, liebe Jungbürger, als er das folgende
Gedicht schrieb. Es sei, Euch zu Ehren, der Schluss dieser Rede:
Seh’
ich Tirol an deinen Söhnen
Die frische Lebensfreudigkeit
Seh’ ich Tirol an Deinen Söhnen
Die schlichte, fromme Weiblichkeit
Da mein ich, dass an Heimatstrahlen
Das Lied am herrlichsten doch glüht,
Da mein ich, dass in Heimattalen
Ihm doch die schönste Gunst erblüht
Das ist im Herzen mächtig wieder
Der alte, liebe Wunsch entbrannt:
Mein Streben all und meine Lieder
Zu weihen dir, o Vaterland.
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