Gefahrenzonenplan Galtür

Galtür wurde um das 11. Jahrhundert von den Rätoromanen aus dem Engadin besiedelt. Die erste Dauersiedlung entstand im 12. Jahrhundert.

Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckten Alpinisten die Silvretta. Wenn es zu Anfang nur Einzelgeher waren, stellte sich bald großes Interesse an der Silvretta heraus und so wurden die ersten Schutzhütten errichtet. Mit diesen Schutzhütten kam auch der Tourismus in unseren Ort. Galtür ist nicht nur der älteste Ort im Paznaun (über 700 Jahre), sondern war auch der erste Tourismusort der Region.

Obwohl die Galtürer durch die jahrhundertelange Auseinandersetzung mit der Natur sehr exakt die Grenzen des besiedelbaren Raumes erkannten, wurden bereits im 17. Jahrhundert die ersten Schutzmauern gegen Lawinen errichtet.


Direktverbauung zum Schutz des Weilers "Biarcha". Sie wurde schon im Jahre 1613 errichtet.

Durch den zunehmenden Fremdenverkehr wurde auch das Sicherheitsbedürfnis im Ort größer. So wurden z.B. Mitte der 30iger Jahre einige Gebäude mit Schutzmauern versehen, da nach dem damaligen Stand der Technik ein Verbauen im Anbruchsgebiet nicht möglich war. Seit Mitte der 50iger Jahre sind Fachleute der Lawinenverbauung in Galtür beschäftigt, um dem besiedelten Bereich ein maximales Maß an Sicherheit zu bieten.

So wurde z.B. die Verbauung im Bereich Vergiel, Großtal, Gidis- und Portrinner sowie die Egata- und Vergaltschlawine bereits fertig gestellt. Die Naturkatastrophe vom Februar 1999 bei dem in einem der ältesten Ortsteile von Galtür große Schäden entstanden, hat alle bisherigen Maßstäbe gesprengt. So musste in sehr kurzer Zeit ein Sicherheitskonzept für den betroffenen Ortsteil entwickelt werden.

Neben einer Anbruchsverbauung am Grießkogel wurden als Sofortmaßnahmen zwei gewaltige Schutzmauern errichtet.

Diese beiden Schutzmauern sind nach dem modernsten Stand der Technik errichtet worden und bieten nach menschlichem Ermessen ein maximales Maß an Sicherheit für den betroffenen Siedlungsraum. Alle Maßnahmen zum Schutz des Ortes werden von ökologischen Maßnahmen begleitet.

Gefahrenzonenplan Galtür

 

Galtür verfügt, sowie die meisten Orte in den Alpen, aber auch viele Orte an den Flüssen, an den Seen und am Meer über einen Gefahrenzonenplan. In diesem Plan sind all jene Flächen erfasst, in denen bei außergewöhnlichen Wettersituationen Gefahr durch Lawinen oder Wasser besteht. Dieser Gefahrenzonenplan ist das Ergebnis von Berechnungen mittels international anerkannter Rechenmodelle durch Experten der Lawinenverbauung. Er wird durch Erfahrungen der Einheimischen und durch Einträge aus der Chronik ergänzt.

Der Gefahrenzonenplan von Galtür wurde im Jahre 1986 erstellt und 2008 letztmalig von einer Fachkommission überprüft und ministeriell genehmigt. In diesem Plan ist der gesamte besiedelte Bereich des Ortes erfasst und je nach Gefährdung in grüne, gelbe und rote Zone eingeteilt.

Rote Zone:

Rote Zone ist überall dort, wo bei extremen Wettersituationen Gefahr besteht und es herrscht dort ein Bauverbot.

Gelbe Zone:

In Bereichen der gelben Zonen könnten bei außergewöhnlichen Wettersituationen durch Lawinenabgänge erhöhte Belastungen entstehen. Gebäude, die in der gelben Zone stehen, müssen zumindest auf der, der Gefahrenquelle zugekehrten Seite mit Stahlbeton errichtet sein, so dass die Gebäude den erforderlichen Druckbelastungen standhalten können.

Grüne Zone:

Im grünen Bereich besteht nach menschlichem Ermessen keine Gefahr durch Naturgewalten.

Musterschüler Galtür

Ein Bericht, der im bekannten österreichischen Nachrichten Magazin Profil (01.03.99) erschienen ist