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AUSGANGSPUNKT
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WANDERN IN GALTÜR
Aufenthalte in höheren
Regionen sind wie Doping
(von
Ingrid Edelbacher)
Womit schon immer
spekuliert und was stets vermutet wurde, kann inzwischen wissenschaftlich
bestätigt werden: An der „guten Bergluft“ ist tatsächlich etwas dran
– sie fördert nachweislich die Gesundheit. Seit drei Jahren erforschen
die Wissenschafter Egon Humpeler und Wolfgang Schobersberger von der
Universität Innsbruck, wie sich ein längerer Aufenthalt in
unterschiedlichen Höhen auf die Gesundheit auswirkt. „Kernergebnis ist,
dass die Höhe einen positiven Einfluss auf mehrer Organsysteme hat“, sagt
der Anästhesist und Intensivmediziner Wolfgang Schobersberger, Dozent an
der Universitätsklinik Innsbruck und Vorstandsmitglied der Österreichischen
Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin. Dort werden soeben die
Unterschiede zwischen Höhen- und Talurlaub untersucht, Ergebnisse wird es
noch im Herbst geben.
Fest steht aber, dass sich
ein Bergurlaub sogar auf Menschen positiv auswirkt, denen man früher von
luftigen Höhen dringend abgeraten hat. Nämlich jenen, die unter
Zivilisationskrankheiten (dem so genannten „metabolischen“ Syndrom)
leiden – Übergewicht, Bluthochdruck, erhöhte Blutfett- und Zuckerwerte
haben. Männer mit diesen Leiden schickten Humpeler und Schobersberger für
drei Wochen in die Berge (1500 bis 2000 Meter). Nicht zum Kraxeln, sondern
zum gemächlichen Wandern. „Das tat ihnen nicht nur gut, sonder hat ihre
Beschwerden deutlich gebessert“, so Schobersberger. Das Wandern (fünf bis
sechs Mal in der Woche, jeweils drei bis fünf Stunden) bewirkte eine
Abnahme der erhöhten Blutdruckwerte und normalisierte die Plusfrequenz.
Blutdruck senkende Medikamente konnten nach dem dreiwöchigen
Bergaufenthalte reduziert werden. Auch Blutzucker- und Blutfettstoffwechsel
wurden verbessert. Ganz nebenbei haben die Wanderer durchschnittlich
zweieinhalb Kilo abgenommen, obwohl sie keine Diät hielten. Außerdem
konnten die Bergfexe danach besser schlafen, hatten ein höheres Körperbewusstsein
und eine positivere Lebenseinstellung. Berg gehen ist also auch für die
Seele gut. Effekte, die man bei ausgiebigem Wandern auf in tieferen Regionen
erzielen kann.
ERLAUBTES DOPING In Höhenlagen
passiert aber noch etwas: „Das milde Reizklima erzeugt durch den milden
Sauerstoffmangel positiven Stress, wodurch der Körper seine Reserven
mobilisiert und sich anpasst. Neben dem Erholungseffekt ist das ein gutes
Training für das Herz-Kreislaufsystem“, sagt Schobersberger. Dabei steigt
die Qualität der roten Blutkörperchen,
die sodann den Sauerstoff besser in die Zellen transportieren können. Zuständig
dafür ist das Hormon Erythopoetin (im Sport auch als unerlaubtes
Dopongmittel bekannt), das die Reserven besonders aktiviert und in der Höhe
durch den milden Sauerstoffmangel vermehrt in der Niere gebildet wird.
Deshalb gehen Sportler für erlaubtes Doping gerne in die Berge.
Mit einem geschwinden
Wochenende am Berge könne man all die positiven Effekte aber noch nicht
erzielen, so Schobersberger, „ein idealer Wanderurlaub sollte zwei Wochen
dauern, wobei nach drei Wochen die beste Wirkung erzielt wird“. Menschen
mit akuten Erkrankungen oder Infekten, chronischen Leiden, Problemen mit den
Nebenhöhlen oder jene, die frisch operiert sind, sollten auf das Berg gehen
verzichten.
Wer den kommenden Herbst für
regelmäßige Wanderungen nützt, tut sich auf jeden Fall Gutes, sofern er
es nicht übertreibt. „Die meisten Leute überschätzen sich, sie gehen
oft viel zu schnell und muten sich zu viel zu“, sagt Höhenspezialist
Schobersberger. Seine Faustregel: Man sollte danach nicht erschöpft sein,
sondern angenehm müde. Und vor allem sollte man nicht nach einer langen
Anfahrtszeit aus dem Auto springen und in die Höhe hetzen. Schobersberger:
„Man muss sich dem Höhenklima anpassen und das Gehtempo langsam
steigern.“
Studie
Höhenluft fördert die
Gesundheit
Jährlich sind allein in Österreich
etwa zehn Millionen Menschen in den Bergen wandern und Ski fahren, 40
Millionen besuchen im Jahr die Alpen und weltweit sind es 100 Millionen
Menschen, die Urlaub in Höhen um 2000 Meter machen. Ein guter Grund für
eine Studie, die Wirkung der Höhenluft auf den Organismus zu erforschen.
Die Wissenschaftler Egon Humpeler und Wolfgang Schobersberger von der
Universität Innsbruck schickten dafür „zvivilisationsgeschädigte“ Männer
drei Wochen in die Berge. Ergebnis: Positive Wirkung auf verschiedene
Organe, das Herz-Kreislaufsystem, die Schlafqualität und die
Lebenseinstellung.
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